SEIT DEM STURM «LOTHAR»
haben die Borkenkäfer Hochsaison. Als Folge der Trockenheit
vom vergangenen Jahr wurden die Waldbäume geschwächt. So konnten sich die Borkenkäfer
schneller als in normalen Jahren vermehren. Diese Ausbreitung konnte noch nicht gestoppt
werden und ist jetzt weitherum sichtbar. Das Fällen von Käferholz hat schon zu vielen schweren und tödlichen Unfällen geführt.
Waldarbeit ist schon unter normalen Verhältnissen die
gefährlichste Arbeit überhaupt. Das Fällen von Käferholz gehört
nicht zum Normalfall und ist deshalb besonders gefährlich.
Einige Aspekte sind:
• Trockene Äste sperren beim Fällen.
• Häufig ist das Holz befallener Bäume
nicht gesund, was spezielle Fällmethoden erfordert.
• Manchmal ist die Organisation erschwert, weil es sich um
einzelne Bäume handelt.
• Im Sommer ist es heiss und trotzdem muss die persönliche
Schutzausrüstung getragen werden.
• Die tiefen Preise verlocken zu unsorgfältigem Arbeiten.
Dürre Äste sind sperrig oder brüchig Mit dürren Ästen
umzugehen birgt zusätzliche Gefahren. Bäume mit dürren Ästen
sind viel sperriger und können deshalb nicht so leicht gefällt
werden. Oft gibt es Hänger, welche aber umgehend zu Fall
gebracht werden müssen. Folgende Massnahmen sind verboten:
• Keinen zweiten Baum auf einenHänger werfen
• Nie den Stützbaum fällen
• Nicht meterweise absägen
• Nie unter Hängern arbeiten.
Hänger können je nach Situation mit dem Kehrhaken, Sappie
oder Seilzug zu Fall gebracht werden. Am besten eignet sich aber
ein Traktor mit Seilwinde. Die BUL empfiehlt das
seilwindenunterstützte Fällen für alle Bäume, die nicht
eindeutig in die vorgesehene Richtung fallen werden. Wenn mit
der Seilwinde gezogen wird, kann der Motorsägeführer den
Fallbereich rechtzeitig ohne Hast verlassen. Er wird auch den
Fällschnitt nicht zu weit führen, da das mühsame Umkeilen
wegfällt. Zu beachten ist, dass die Sicherheitsdistanzen
eingehalten werden und das Seil in ausreichender Höhe befestigt
wird. Der Traktor muss mindestens zwei Baumlängen vom zu
fällenden Baum entfernt stehen. Sonst ist das Drahtseil
umzulenken. Alle Hilfsmittel wie Rückeketten, Drahtseile, Winde,
Umlenkrollen und Struppen müssen in einwandfreiem Zustand und
für die zu erwartenden Belastungen konstruiert sein. Eine grosse
Gefahr bilden dürre Äste, die bei der geringsten Bewegung
herunterfallen können. Da es immer mehr Totholz in den Wäldern
gibt, ist diese Gefahr zunehmend. Nicht nur der zu fällende Baum
ist zu beachten, sondern auch alle Bäume in der Umgebung. Tote
Bäume können bei der leichtesten Erschütterung umfallen oder
Äste verlieren. Faule Stöcke verlangen spezielle Fällmethoden
Viele Bäume, die vom Borkenkäfer befallen werden, sind stockrot,
d.h. faul. Das Fällen solcher Bäume stellt spezielle
Anforderungen an die Fälltechnik und kann in entsprechenden
Kursen gelernt werden. Die gewünschte Fällrichtung wird durch
die faulen Stellen gestört. Der Baum ist vor dem Bestimmen der
Schnitthöhe und dem Schneiden der Fallkerbe richtig zu
beurteilen. Durch seilwindenunterstütztes Fällen kann die Gefahr
reduziert werden. Persönliche Schutzausrüstung auch im Sommer
Bei heissem Wetter ist das Tragen der persönlichen
Schutzausrüstung im Forst eine besondere Herausforderung. Zur
persönlichen Schutzausrüstung gehören:
• Forsthelm mit Gehör- und Gesichtsschutz, ev. Nackenschutz.
• Auffällige Forstbluse.
• Schnittschutzhosen (Arbeitshosen mit eingenähtem
Schnittschutz).
• Forstschuhe oder –stiefel.
• Handschuhe.
• Mit Vorteil funktionelle Unterwäsche.
In den letzten Jahren wurde die Forstkleidung punkto Komfort
gegenüber älteren Modellen stark weiterentwickelt und
verbessert. Noch immer gibt es aber keine echte Sommer-
Schnittschutzhose, da der Schnittschutz das Hauptproblem
darstellt.
Der Tragkomfort von Schnittschutzhosen ist abhängig vom
Oberstoff, vom Schnitt, von den Taschen und vom Schnittschutz.
In den neuen Forstkleidern werden Hightechmaterialien eingesetzt
und die Oberstoffe massiv verbessert. Um der hohen Belastung
Stand zu halten, wird vorne an den Beinen Kevlar oder Cordura
verwendet. Diese Materialien werden auch für strapazierfähige
Sport- und Motorradbekleidung eingesetzt. Für die weniger
beanspruchten Teile, wie Rücken, Gesäss, Ärmel usw. werden
elastische, atmungsaktive Materialien verwendet. Bei den
Forsthosen und Blusen der neuen Generation werden die
Materialien exakt nach Anforderungen der Fachleute kombiniert,
z.B. Strapazierfähigkeit, Tragekomfort, Farben, Funktionalität,
Bedarf an Taschen. Weil die neuen Kleider bequemer und
atmungsaktiv sind, eignen sie sich auch besser für den
Sommereinsatz. Die Forstbluse kann im Sommer durch geeignete,
auffällige orange oder gelbe (kurz- oder langarmige) T-Shirts
oder Hemden mit gleichen Eigenschaften ersetzt werden.
Anstelle der Forststiefel sind Forstschuhe zu tragen, damit
man weniger schwitzt. Der Helm kann nur dann durch einen
Gehörschutz mit Gesichtsschutz ersetzt werden, wenn keine
Gegenstände (Äste und dgl.) herunterfallen können. Sicheres
Arbeiten trotz tiefer Preise Sicheres Arbeiten lohnt sich immer.
Es darf nicht auf Sicherheitsmassnahmen verzichtet werden, weil
die Holzpreise zu tief sind. Vor jeder Arbeit muss man sich
folgende Fragen stellen:
• Bin ich fähig diese Arbeit sicher auszuführen,habe ich die
nötige Ausrüstung?
• Kann ich mir die nötigen Fachkenntnisse erwerben?
• Muss ich die Arbeit einem professionellen Unternehmer
übergeben?
Wer an seinen Fähigkeiten zweifelt, soll den zweiten oder
dritten Weg wählen. Ein solcher Auftrag kann auch an erfahrene
und richtig ausgerüstete Berufskollegen erteilt werden. Das
Eingehen von Risiken lohnt sich nicht. Zudem sind
Forstunternehmer oft in der Lage, das Holz zu übernehmen. In
Zukunft werden Landwirte, die für Dritte holzen, über einen
Qualifikationsausweis verfügen müssen. Unsicheres Arbeiten lohnt
sich nie, denn niemand kann sich einen Unfall leisten. Die
Kampagne «Profi» im eigenen Wald vermittelt verschiede
Informationsmittel zum sicheren Arbeiten im Bauern- und
Privatwald. Originalartikel aus
ufa-revue downloaden |