Damit Kinder sicher und gesund auf dem Bauernhof aufwachsen (Teil 3)
Viele Kinder interessieren sich für Traktoren und Maschinen. Nach dem 14. Geburtstag dürfen sie nach bestandener Traktorenprüfung dann mit dem Traktor auf die Strasse. Aber mit jedem Traktor?
In der Landwirtschaft existieren viele verschiedene Geräte und Maschinen mit entsprechenden Gefahren. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche entsprechend ausgebildet und mit den Maschinen und Traktoren vertraut gemacht werden, bevor sie sie selbstständig bedienen.
 
Traktorfahrkurs G40
Seit dem 1. Oktober 1998 können in der Schweiz Landwirtschaftstraktoren mit einer Höchstgeschwindigkeit (vmax) von 40 km/h zugelassen werden. Wer ab dem 14. Altersjahr einen solchen Traktor fahren will und lediglich den Führerausweis Kat. G besitzt, muss einen vom Bundesamt für Strassen (ASTRA), anerkannten Fahrkurs G40 absolvieren. Die Berechtigung wird im Führerausweis eingetragen. Neu genügt der Ausweis Kat. G zusammen mit dem Traktorfahrkurs G40 auch zum Führen von landw. Ausnahmefahrzeugen!
Der zweitägige Fahrkurs besteht aus praktischen Fahrübungen mit den eigenen Fahrzeugen und wird in Kleingruppen (max. 5 Teilnehmer) regional unter der Leitung eines professionellen Instruktors durchgeführt.
Der Kurs ist aber auch sehr empfehlenswert für Fahrerinnen und Fahrer landw. Fahrzeuge, die ihre Fahrtechnik festigen wollen oder sollten. Die Bedingungen sind ein gültiger Führerausweis Kat. G (oder höher) und ein Traktor (Höchstgeschwindigkeit 30 oder 40 km/h) mit Anhänger die gemäss Strassenverkehrsrecht ausgerüstet sind.

Profis fahren besser
Der Fahrkurs „Profis fahren besser“ findet im Veltheim Driving Center (VDC) statt. Auf der Schleuderpiste lernen die Teilnehmer, wie sie ein Fahrzeug in schwierigen Strassensituationen sicher, richtig und rasch beherrschen. Die rutschigen Gleitbeläge zeigen die Grenzen von Traktor und Anhänger auf. Sie können einmal schleudern, ohne jemanden zu gefährden, die Reaktionen und das Verhalten des Traktors bei einer Fahrgeschwindigkeit von 30 und 40 km/h vergleichen.
Der Kurs wird von Instruktoren des VDC durchgeführt. Das Fahrtraining ist bestens geeignet für Neulenker als Ergänzung zum Fahrkurs G40. Auch andere Fahrerinnen und Fahrer landwirtschaftlicher Fahrzeuge mit gültigem Fahrausweis ab Kat. G, die eine gezielte fahrtechnische Weiterbildung suchen und etwas erleben möchten, profitieren. Pro Kurs sind maximal 10 Teilnehmer zugelassen.
Traktoren und Anhänger in verschiedener Ausführung stehen zur Verfügung. Eigene Fahrzeuge können nicht verwendet werden.

Stapler und andere Fahrzeuge
In der Landwirtschaft werden vermehrt Stapler, aber auch andere Hebefahrzeuge eingesetzt. Dabei handelt es sich um Frontlader, Hoflader, Hecklader, Teleskoplader usw. Alle diese Geräte haben ein ähnliches Gefahrenpotenzial. Wenn Jugendliche solche Fahrzeuge einsetzen, darf keinesfalls auf eine Einführung verzichtet werden. Eine gute Instruktion – erteilt vom Vater oder in einem Kurs - enthält mindestes eine Erklärung

  • aller Bedienungselemente
  • der Gurtragepflicht
  • der Risiken, die beim Hochheben von Lasten auftreten, insbesondere die Veränderung des Schwerpunktes und dessen Auswirkung auf das Fahrverhalten
  • über das Verhalten bei einem Unfall
  • über im Betrieb vorhandenen Gefahrenstellen, z.B. Rampen, Fussgängerzonen, Spielplätze, oder Orte, die man nicht befahren darf, z.B. Holzböden
  • über die Fahrgeschwindigkeiten
  • dass man mit Hebefahrzeugen ohne gültige Fahrzeugnummer nicht auf die Strasse darf.

Jugendliche müssen auch auf allen anderen Fahrzeugen und Maschinen gut instruiert werden, da sie noch nicht über einen so grossen Erfahrungsschatz wie die Erwachsenen verfügen. Am einfachsten wird das Führen von Motorfahrzeugen erst erlaubt, wenn ein Führerausweis vorhanden ist.
Die BUL bietet auf Anfrage betriebsspezifische Instruktionen an. Diese basieren auf einer Risikoanalyse vor Ort und sind auf die Fähigkeiten der Fahrer abgestimmt.

Umso älter Kinder sind, desto mehr entfernen sie sich beim Spielen vom Wohnhaus. Spielen Kleinkinder vor allem in Küche und Wohnstube, zieht es ein Schulkind und seine Gspännli eher ins Heu, zu den Tieren oder auf die Maschinen. Ältere Kinder werden zu wichtigen Helfern bei der Arbeit. Damit Eltern und Kinder sich an dieser Entwicklung freuen können, müssen Kinder rechtzeitig und immer wieder auf Gefahren aufmerksam gemacht werden.
Die folgenden Tipps können Ihnen helfen, die Sicherheitslücken auf ihrem Betrieb zu orten und danach zu beseitigen.

Feuer und Flamme lassen vieles vergessen
Feuer übt auf Kinder eine magische Anziehungskraft aus. Die Versuchung ist gross, selbst ein kleines Feuer zu entzünden. Aber Kinder können noch nicht einschätzen, wie schnell aus einer kleinen Flamme ein grosser Brand entstehen kann und geraten im Brandfall leicht in Panik. Streichhölzer und Feuerzeuge müssen deshalb für Kinder unzugänglich aufbewahrt und nach dem Gebrauch wieder dorthin zurücklegt werden.
 
Lärm erzeugt Stress
Lärm kann nicht nur das Gehör schädigen, er löst auch psychische und physische Stressreaktionen aus. Kinder haben noch einen sehr sensiblen Gehörsinn. Lärmschäden sind nicht heilbar! Das Mass für die Lautstärke ist der Schallpegel in Dezibel dB(A). Bereits unter 85 dB(A) kann das Gehör geschädigt werden. Ein Traktor mit Rahmenverdeck erreicht in etwa einen Lärmpegel von 90 dB(A) und ist somit bereits schädlich für das menschliche Gehör.
Machen Sie Ihre Kinder auf die unterschiedlichen Geräuschquellen aufmerksam und schützen Sie sie mit geeigneten Mitteln davor. Wie kann man selbst schnell feststellen, ob ein Geräusch für das Gehör schädlich ist? Wenn man sich beim Reden anschreien muss, um sich verständlich zu machen, dann liegen die Umgebungsgeräusche über dem zulässigen Mass.
Beim Kauf von Spielzeug kann man darauf achten, dass die vom Spielgerät ausgehenden Geräusche nicht unangenehm laut oder schrill sind.
 
Kinder und Tiere
Kinder lieben Tiere. Der Umgang mit Tieren fördert die positive Entwicklung des Sozialverhaltens und das Verantwortungsbewusstsein von Kindern. Lebende Tiere sind jedoch kein Spielzeug – und vor allem eine Unfallquelle bei unsachgemässem Verhalten. Deshalb ist es wichtig, den Kindern rechtzeitig den respektvollen Umgang mit Tieren beizubringen, damit keine Gefahrensituationen aus Unwissenheit entstehen können. Generell gilt: Auch gutmütig scheinende Tiere können sich plötzlich unberechenbar verhalten. Das gilt für Grosstiere ebenso wie für Haustiere. Auch im Umgang mit Tieren ist auf die nötige persönliche Schutzausrüstung zu achten.
Bereits einfache Hygienemassnahmen, wie regelmässiges Händewaschen, können verhindern, dass Allergien ausgelöst oder ansteckende Tierkrankheiten auf Menschen übertragen werden.
 
Gülle und Gase
Gär- bzw. Schadgase entstehen durch chemische oder biologische Umwandlungsprozesse in Gärkellern, in Güllegruben, aber auch in Hoch- oder Tiefsilos. Kinder können diese Gase nicht sehen, nicht anfassen, mitunter nicht einmal riechen. Eigenschaften, die sogar manch einen Erwachsenen vergessen lassen, wie gross die unmittelbare Gefahr der Schadgase sein kann.
Durch das Freiwerden von Gasen besteht hohe Erstickungs-, Vergiftungs- und sogar Explosionsgefahr! Mit wirksamen, fest installierten Gebläsen können Schadgase aus dem Gärraum entfernt werden.

Damit Kinder sicher und gesund auf dem Bauernhof aufwachsen
 
Toben, Spielen, Lärmen...
...Kinder brauchen Freiraum für ihre persönliche Entfaltung. Gerade der ländliche Raum bietet Kindern dazu alle Möglichkeiten: Abenteuer Bauernhof. Damit den jungen Forschern und Entdeckern bei ihren Streifzügen nichts zustösst, müssen wir Erwachsenen vorausschauend mögliche Unfallquellen ausschalten. Dazu zählt, den Kindern immer wieder liebevoll, geduldig, aber auch mit Nachdruck richtige Verhaltensweisen zu erklären.
Noch sind Unfälle bei Kindern nach dem ersten Lebensjahr das Gesundheitsrisiko Nummer eins. Helfen Sie mit, das Verletzungsrisiko zu verringern. Arbeiten Sie mit an einer kindgerechten Umgebung! Bereits wenige einfache Veränderungen können grosse Verbesserungen bewirken.

Grundsätzliches
Je nach Altersstufe ist eine andere erzieherische Methode zu Vermittlung von Sicherheitsthemen die Richtige: Kinder zwischen 0 und 7 Jahren lernen fast ausschliesslich durch (spielerische) Nachahmung der Handlungen und Gesten der Erwachsenen. Deshalb ist es ausschlaggebend für den Lernerfolg, dass die Eltern selbst von der Sache absolut überzeugt sein müssen.
Die Broschüre “Kinder sicher und gesund auf dem Bauernhof” der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) zeigt Ihnen, wie Sie eine sichere und kindgerechte Umgebung gestalten können. Mit diesem Leitfaden bekommen Sie viele praktische Tipps, die sich leicht in die Tat umsetzen lassen.
 
Haushalt und Strom
Die meisten Kinderunfälle ereignen sich in den eigenen vier Wänden. Einer der Unfallschwerpunkte ist die Küche. Häufig sind es Stürze, die vermeidbar gewesen wären, denn oftmals sind es nur Kleinigkeiten, an die nicht gedacht wird, z.B. rutschende Teppiche und Fussabstreifer.
Der Herd lässt sich durch ein Herdschutzgitter absichern. Damit wird zum einen das Herunterziehen von Töpfen oder Pfannen verhindert, zum anderen der Griff auf die heisse Herdplatte. Wenn Sie Ihren Kindern eine eigene Kochecke einrichten, können sie mitkochen.
An gut erreichbarer Stelle sollte ein Verbandskasten oder Erste-Hilfe-Schrank vorhanden sein. Schränke mit gefährlichem Inhalt, z.B. Medikamente, Chemikalien, müssen abschliessbar sein.
 
Elektrischer Strom ist lautlos, die damit verbundenen Gefahren für Kinder nicht erkennbar. Hinzu kommt: Erleiden Kinder einen Stromunfall, ist die Gefahr, einen lebenslangen Schaden, z.B. Herzflimmern, davon zu tragen, aufgrund ihrer körperlichen Entwicklung ungleich höher als bei einem Erwachsenen. Schon ein kurzer Kontakt mit dem elektrischen Weidezaun kann ausreichen!
Bei Elektrogeräten muss nach beendeter Arbeit der Stecker ausgezogen werden. Wenn möglich, sollten die Geräte nach der Verwendung wieder wegräumen werden. Steckdosensicherungen verhindern den Eingriff in die Steckdose, z.B. mit Schraubenziehern oder Drähten.

Fahrzeuge mit Spiegeln ausrüsten
Fahrzeuge sollten mit ausreichend grossen und ausziehbaren Rückspiegeln ausgerüstet sein, so werden auch Kinder besser sichtbar.
Maschinen und Geräte dürfen nur in Gang gesetzt werden, wenn mit Kindern Sichtkontakt aufgenommen worden ist. Hier ist der “Tote Winkel” bei Maschinen und Anhängern ein ganz kritischer Punkt. Wenn kein Helfer zur Seite steht, kann beispielsweise mit Kameras auch dieser Bereich sicher eingesehen werden.
In kritischen Situationen sollen Kinder ruhig angesprochen und auf die Gefahr hingewiesen werden. Nicht durch plötzliches lautes Rufen Schrecksituationen hervorrufen.

Spielplatz
Hauptursache für viele Unfälle spielender Kinder auf einem Hof ist die oft unzureichende räumliche Trennung zwischen dem Spielbereich der Kinder und dem Arbeitsbereich der Erwachsenen. Spielende Kinder haben meist keine Augen dafür, was um sie herum passiert und wo Gefahren lauern. Hier sind die Erwachsenen gefordert!
Kinder brauchen einen eigenen Spielbereich, wo sie sich frei und ungestört bewegen können. Natürlich muss ein sicherer Spielplatz auch gewisse Kriterien in Bezug auf Anordnung der Geräte, Gestaltung des Untergrunds und Lage erfüllen.