Unfallanalyse
Jährlich werden ca. 3500 Unfälle durch Pferde verursacht, davon 50% beim Ausreiten. Stallarbeiten, Springen, Dressur und Führen nehmen einen Anteil von je ca. 10% ein. Vor allem im Strassenverkehr sind Pferde und Betreuer gefährdet.

Verhalten
Das Pferd ist ein Fluchttier. Es flieht oder reagiert mit Abwehr vor unbekannten oder erschreckenden Gegenständen und Geräuschen, insbesondere, wenn die vermeintliche Gefahr von hinten kommt. Das Pferd ist mit sehr feinen Sinnesorganen ausgerüstet und hat ein gänzlich anderes Sehen als der Mensch. Es nimmt Bewegungen schnell wahr, erkennt aber nicht, was sich bewegt. Deshalb darf man sich dem Pferd nur nach einem Zuruf und von der Seite oder von vorne nähern. Wenn es die Person nicht sieht, könnte es erschrecken und ausschlagen. Auch rasche Bewegungen, schreien usw. können das Pferd zu solchen Reaktionen veranlassen.
Oft, aber nicht immer, werden Verhaltensfehler vom Tierbetreuer verursacht. Pferde vergessen schlechte Behandlung nicht. Sie haben eines der besten Erinnerungsvermögen in der Tierwelt. Folgende Warnsignale müssen beachtet werden: Ohren nach hinten legen, viel Weisses in den Augen zeigen und evtl. Schneidezähne entblössen. Es gibt auch Pferde, die diese Drohgebärden nicht zeigen. Auf Beisser und Schläger ist durch ein Warnschild an der Stalltüre hinzuweisen. Das Temperament der Pferde ist abhängig von der Rasse. Kaltblutrassen sind ruhiger als Vollblutpferde. Wer Pferde halten oder benutzen will, muss sich Zeit zum Aufbau einer Beziehung zum Tier nehmen. Das bedeutet, dass das Pferd selber betreut und gepflegt wird. Wer ein Pferd mie-ten will, muss sich unbedingt beim Pferdebesitzer über den Charakter des Tieres informieren. Es ist unverantwortlich, fremden, ungeübten Personen Pferde zu  überlassen, die sie nicht kennen.

Haltung
Das Pferd ist ein Herdentier, es braucht Kontakt zu anderen Pferden und lässt sich von deren Verhalten beeinflussen. So ist beim Vorbeireiten an einer Koppel mit fremden Pferden besondere Vorsicht geboten. Ein plötzliches Loslaufen eines dieser Pferde könnte auch das eigene Pferd zum Losstürmen veranlassen. Sympathie und Antipathie spielen bei Pferden eine grosse Rolle. Als Steppentier hat das Pferd das Bedürfnis nach Bewegung und frischer Luft. Leider ist dies bei den heutigen Stallsystemen kaum mehr möglich.
Deshalb ist das Pferd täglich zu bewegen. Stallsysteme mit Auslauf oder einer Pferdeweide sind ideal, besonders wenn das Tier nicht täglich gebraucht wird. Optimale Haltungsbedingungen erhöhen die Gesundheit und das Wohlbefinden des Tieres und senken das Unfallrisiko. Boxen müssen mit arretierbaren, nach aussen öffnenden Türen oder Schiebetüren versehen sein. Stallgänge sind rutschhemmend auszuführen. Für Arbeiten in der Nähe des Pferdes (putzen, misten, führen, Hufbeschlag) sind Schuhe mit Stahlkappen zu tragen.

Führen
Richtiges Führen muss gelernt sein! Wer sein Pferd gut kennt, kann es mit Halfter und Strick führen. Als Faustregel gilt, an der linken Seite des Pferdes auf der Höhe des Kopfes zu gehen. Mit der rechten Hand wird das Pferd geführt. Niemals vor dem Pferd gehen, und nie den Führstrick um die Hand wickeln. Fremde Pferde sollten grundsätzlich mit der Trense geführt werden, wobei das Auftrensen nur mit Hilfe einer er fahrenen Person durchgeführt werden soll.
Eine besondere Gefahren situation ist das Loslassen des Pferdes. Es sollte immer so gedreht werden, dass es dem Betreuer den Kopf zuwendet. Damit wird vermieden, dass die Betreuerin oder der Betreuer direkt hinter dem Pferd steht und von den ausschlagenden Hinterhufen getroffen wird.

Arbeiten und Fahren
Heute befindet sich die Arbeit mit Pferden im Wandel. Pferde werden seltener für die Feldarbeit eingesetzt. Dafür nimmt der Einsatz im Wald wieder zu. Wenn zweispännig gearbeitet wird, zieht das vertrautere Pferd auf der linken Seite, das andere kann nötigenfalls zurückgebunden werden. Behalten Sie die Pferde immer unter Kontrolle, besonders, wenn die Gefahr des Erschreckens besteht.
Mit der Peitsche darf nicht unerwartet geschlagen werden. Möglichst geräuschlos müssen notwendige, leichte Berührungen oder Hiebe aus dem Arm heraus geführt werden. Gleichzeitig sind die Zügel zu lockern. Werden die Pferde stehengelassen, sind sie anzubinden und die Zugstrangen zu lösen. 
Holzrückearbeiten sind mit besonderen Risiken verbunden. Das Pferd ist erst nach Beendigung der Lastvorbereitung und unmittelbar vor dem Anhängen der Last in die Abfahrrichtung zu drehen. Niemals darf ein Anziehen der Last ohne Kommando erfolgen. 
Sollte das Pferd wider Erwarten duchbrennen und sich in irgendeiner Form verwickeln, hilft oft nur das Durchtrennen der Strangen mit einem scharfen Messer. Für das Fahren sind die Strassenverkehrsvorschriften zu beachten.

Reiten
Jährlich verunfallen mehrere Reiter tödlich. Unerfahrene Reiter sollen grundsätzlich zuerst im Verband ausreiten, da sich das Pferd als Herdentier geborgener fühlt. An gefährlichen Stellen wie auf Glatteis, Kopfsteinpflaster, bei Löchern und Gewässern ist besondere Vorsicht geboten. Das Pferd muss regelmässig beschlagen werden. Wenn nötig, sind Stollen einzusetzen. 
Reithelm mit 3-Punkt-System, evtl. Rückenprotektor sowie Reitstiefel gehören zur Ausrüstung des Reiters. Sicherheitssteigbügel schützen vor gefährlichem Nachgeschleift werden.
Im Strassenverkehr gelten die üblichen Verkehrsregeln,die 0,5-Promille-Grenze eingeschlossen. Das Signal «Allgemeines Fahrverbot» gilt für Reiter und Pferdeführer nicht. In der Dämmerung, nachts, und wenn die Witterung es erfordert, haben Reiter und Führer von Tieren wenigstens auf der dem Verkehr zugewandten Seite ein von vorne und hinten sichtbares, nicht blendendes gelbes Licht zu tragen. Das Reittier muss retroreflektierende Gamaschen tragen. Bei Reiterkolonnen muss wenigstens links vorne und hinten ein gelbes Licht verwendet werden. Reiten sollte nur, wer sich wohlfühlt und in guter Verfassung ist.