Viele Bauernfamilien wenden einen grossen Teil ihrer Zeit für Stall- und Tierpflegearbeiten auf. Diese bergen viele Unfallgefahren, die in der Routine des Alltags oft übersehen und vergessen werden. Durch Planung, richtige Arbeitsmethoden und technische Hilfsmittel lassen sich aber sehr viele Unfallrisiken vermindern.

Unfallanalyse
Aus der Unfallanalyse geht hervor, dass der Melkvorgang in der Rindviehhaltung mit 35% der Unfälle die Hauptgefährdung darstellt. Weitere Gefahren bergen das An- und Umbinden, Treiben, Führen und Verladen. Bezüglich Unfallschwere stehen zudem die Spezialbehandlungen an Tieren im Vordergrund.

Verhalten
Zum besseren Verständnis von Tierreaktionen sind einige Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung nötig. Es ist wichtig zu wissen, wie das Tier seine Umgebung wahrnimmt. 03 Gesichtsfeld Kuh klDas Blickfeld einer Kuh umfasst einen Winkel von ca. 270°. Die Kuh nimmt Bilder am Rande des Blickfeldes (hellgrüner Bereich) nur undeutlich wahr. Bis zu 6 m sieht die Kuh sehr genau (dunkelgrüner Bereich), was weiter als 10 m entfernt ist, erkennt sie nur ungenau. Der rückwärtige Raum (roter Bereich) bleibt im toten Winkel. Nähert sich eine Person plötzlich aus dem toten Winkel, ist eine Abwehrreaktion des Tieres zu erwarten.
Die Hell-Dunkel-Anpassung der Pupillen dauert beim Rindvieh zehnmal länger als beim Menschen. Deshalb weigert sich die Kuh, in einen dunklen Stall zu gehen oder einen Schwemmkanal zu überqueren. Hier kann eine Beleuchtung helfen. Kühe brauchen mehr Zeit, um sich an Helligkeitsunterschiede zu gewöhnen. Man muss ihnen Zeit lassen oder mit künstlichem Licht nachhelfen.
Das Tier reagiert sensibel auf unbekannte Geräusche. Andererseits gewöhnt es sich an die Stimme des Betreuers und erkennt ihn daran. Geruchs- und Geschmackssinn sind ausgeprägter als jene des Menschen. Unbekannte Gerüche, z.B. Parfum, können besonders Stiere unruhig machen.
Für Besucher empfiehlt sich ein Überkleid vom Betrieb, weil das Tier diese Gerüche eher kennt. Der Geruchssinn dient auch zum Erkennen und kann vom Betreuer genutzt werden. Deshalb lassen sich die Tiere mit Kraftfutter anlocken. Der Erfolg ist grösser als beim Treiben. Berührungen können vom Betreuer gezielt eingesetzt werden. Dort, wo die Haut feiner ist, ist das Tier auch empfindlicher. Rinder sind Distanztiere. Wenn die Minimaldistanz unterschritten wird, kommt es zu Auseinandersetzungen oder Flucht. Diese Distanz ist stark vom Tier und den äusseren Umständen abhängig. In einer Herde bildet sich eine klare Hierarchie, die mit Kämpfen ausgefochten wird. Dabei kann der Betreuer zwischen die Fronten geraten. Er darf seine Autorität über die Herde niemals verlieren.