Mit der Erntezeit sind viele Landwirte gezwungen, sich für ihre Transporte im öffentlichen Verkehr zu bewegen. Die Fahrzeuge wurden in der Vergangenheit nicht nur schneller, sondern vor allem auch grösser, schwerer und breiter. Um sich und andere nicht zu gefährden, oder auch bei Kontrollen bestehen zu können, müssen die gültigen Vorschriften eingehalten werden. Dies verlangt einiges an Wissen.

Walter Schnider, LZSG Salez

Unter Zeitdruck, wenn das Wetter umschlägt und die Ernte unbedingt vor den ersten Regentropfen noch eingebracht werden will, ist Ruhe bewahren leichter gesagt als getan. Oftmals werden unter diesen Umständen Regeln und Vorschriften, die im Strassenverkehr eingehalten werden müssen, nicht mehr in allen Belangen beachtet.

40 + 30 = 30

Was hier mathematisch betrachtet falsch ist, ist mit einem 40 km/h – Traktor und einem 30 km/h Anhänger richtig. Der einfache Grund ist der, dass der Traktor wohl auf die höhere Geschwindigkeit ausgelegt ist, der Anhänger aber diese Anforderungen z.B. aufgrund der Bremsen, nicht erfüllen kann und deshalb nur mit der tieferen Geschwindigkeit betrieben werden darf. Mit Nachfahrmessungen wird dies von der Polizei auch kontrolliert und bei Vergehen gebüsst.

Landwirtschaftliche 40km/h- Anhänger müssen aufgrund der höheren Anforderungen eingelöst sein und periodisch geprüft werden. Das heisst aber nicht, dass für nicht eingelöste 30km/h- Anhänger keine Bremsvorschriften einzuhalten sind. Auch diese müssen den Vorschriften entsprechen und sind in einem verkehrstüchtigen Zustand zu halten.

Transport von Rundballen

Es ist verlockend, mit dem Frontlader schnell noch ein paar Siloballen vom Feld zu holen, obwohl die öffentliche Strasse benutzt werden muss. Dieses Bild sieht man leider immer wieder, obwohl es ganz klar verboten ist, Güter mit dem Frontlader auf der Strasse zu transportieren.

Am Traktor-Heck hingegen dürfen Rundballen mit den entsprechenden Transportgeräten, z.B. Rundballenzange, befördert werden. Damit die Ballen nicht herunterfallen können, müssen sie aber entsprechend gesichert werden, z.B. mit Zurrgurten oder durch Sperrblock. Ebenfalls ist sicherzustellen, dass die Beleuchtungsanlage von den nachfolgenden Fahrzeugen einsehbar ist. Allenfalls ist ein gleichwertiger Ersatz anzubringen. Bei Leerfahrten ist ein Ballenspitz hochzuklappen und wenn das nicht möglich ist, mit durchstichfestem Material abzudecken und zu markieren.

Zu beachten ist auch die Vorderachsentlastung, die durch das Gewicht am Heck entsteht. 20% des Gewichtes, in diesem Falle des Traktors und der geladenen Siloballe, müssen auf der Vorderachse lasten, um sicher unterwegs zu sein und dem Gesetz zu entsprechen. Kontrollieren sie dies einmal auf einer Waage! Dies gilt natürlich mit allen anderen Anbaugeräten ebenso.

Beim Rundballentransport mit dem Anhänger sind je nach Zugfahrzeug und Transportanhänger diverse Garantien zu beachten, insbesondere Gesamtgewicht und Achslasten. Die Achslasten sind seit einigen Jahren auch auf dem Herstellerschild ersichtlich. Ist kein Schild (mehr) vorhanden, sollten die nötigen Daten unbedingt über den Hersteller oder die Fachwerkstatt beschafft und ein neues Schild angebracht werden.

Weiter ist die Stützlast auf die Verbindungseinrichtung des Traktors zu beachten. Effektiv darf nur so viel belastet werden, wie der Hersteller für die Hinterachse und die Zugeinrichtung frei gegeben hat oder allenfalls im Fahrzeugausweis eingetragen ist. Der Gesetzgeber setzt folgende Limits: bei Obenanhängung 2 t, bei Untenanhängung 3 t.

Anfahrvermögen beachten

Wenn in meinem Traktor - Fahrzeugausweis eine Anhängelast von z.B. 26 t eingetragen ist, heisst das nicht automatisch, dass ich dieses Gewicht auch anhängen darf. Das Gesetz schreibt nämlich vor, dass die Anhängelast nur soweit ausgenutzt werden darf, als dass die Verkehrs- und Betriebssicherheit gewährleistet ist. Es gilt die Vorschrift, dass ich mit der Ladung bei 15% Steigung anfahren können muss. Nur ist das praktisch kaum nachvollzieh-, geschweige denn überprüfbar. Die Empfehlung der BUL ist deshalb folgende Faustregel: Maximal mögliche aktuelle Anhängelast = 3.8 x das Gewicht auf den angetriebenen Achsen, plus eine allfällige Stützlast.

Bremsen am Traktor und Anhänger

Auf 40 km/h eingelöste Traktoren und Anhänger müssen periodisch, d.h. alle 5 Jahre, zur MFK. Im schlechtesten Fall werden spätestens dann die Bremsen auf Wirksamkeit geprüft. Bei den 30 km/h Anhängern, die nicht eingelöst sind, liegt die Verantwortung für den verkehrssicheren Zustand der Bremsanlage allein beim Fahrzeughalter. Wichtig ist, nicht erst auf den MFK – Termin hin, sondern periodisch, am besten jährlich, den Zustand und die Wirksamkeit der Anhängerbremsanlagen von einer Fachwerkstatt prüfen zu lassen. Sie erhalten ein Protokoll, woraus die Bremsleistung ersichtlich ist. Nur so haben sie die Gewähr, von der technischen Seite her, sicher unterwegs zu sein.

Nicht nur sehen, sondern vor allem auch gesehen werden!

Die Beleuchtungsanlagen in der Landwirtschaft sind besonders mit Staub, Schmutz oder durch Vibrationen belastet. Es kann daher nur immer wieder darauf hingewiesen werden, wie wichtig vor dem Wegfahren eine Kontrolle der Licht- und Blinkanlage ist.

Der heutige, dichte Strassenverkehr verzeiht in diesem Bereich keine Nachlässigkeit.

Genauso wichtig ist das Instandhalten der Markierungen bei Überbreite oder Schutzabdeckungen / Schutzbügel für gefährliche Maschinenteile. Werden solche Einrichtungen beschädigt, verschmutzt, oder gehen sie verloren, besteht Handlungsbedarf.

Fazit: Wenn Sie sich an die bestehenden Regeln halten, ersparen Sie sich nicht nur Ärger und Zeitverlust, sondern vielleicht auch menschliches Leid und schonen nicht zuletzt auch ihren Geldbeutel erheblich.