Vorsicht beim Fahren am Hang

Jedes Jahr verunfallen dutzende Landwirte beim Arbeiten am Hang. Obwohl die Gefahren meist

offensichtlich sind, werden Einsatzgrenzen unwissend oder leichtsinnig überschritten, es werden grobe Fahrfehler gemacht oder ungeeignete Fahrzeuge und Maschinen eingesetzt.

Hans Stadelmann, Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft, BUL

Hangtaugliche Technik ist unverzichtbar

Traktoren ohne Hangausrüstung haben am Hang nichts verloren. Ein Traktor ist bis zu einem gewissen Grad hangtauglich, wenn er leicht gebaut ist, einen tiefen Schwerpunkt, Fahrerschutzkabine, Sicherheitsgurte,Allradantrieb, Doppelbereifung, gutes Reifenprofil, einwandfrei funktionierende Bremsen und keine technischen Mängel hat. Maschinen wie Kreiselheuer oder Schwader müssen zum Traktor passen. Bei Dreipunktanbau ist ein allfälliger Schwenkbock im Hang zu sperren, sonst kann die Maschine beim Anheben unbeabsichtigt aus der Zentrierung fallen, ausschlagen und den Traktor zum Kippen bringen.

Transporter haben ihre Tücken

Obwohl Transporter für den Hangeinsatz konzipiert sind, ereignen sich jedes Jahr zahlreiche Unfälle, auch schwere. Besonders ältere Fahrzeuge mit Zentralrohrbauweise können sich im Steilhang, was die Stabilität betrifft, sehr tückisch verhalten, je nach Fahrtrichtung, Aufbau, Ladung, Schwappen der Gülle und Drehmoment des Geräteantriebes. All diese wechselnden Einflüsse zu überblicken, ist schwierig. Ein typisches Unfallmuster ist das plötzliche Kippen von Vorder- oder Hinterwagen. Neuere Fahrzeuge sind deshalb mit Verdrehdämpfung ausgerüstet. Bei Chassisbauweise besteht diese Gefahr nicht.

Zweiachsmäher

Zweiachsmäher sind grundsätzlich sehr hangtauglich. Beim Mitführen eines Zusatzgerätes wird der Schwerpunkt verschoben und das Fahrverhalten kann beeinträchtigt werden. Gegengewicht kann hier Abhilfe schaffen. Der Fahrerschutz ist heute weitgehend vorhanden und akzeptiert.

Sicherheitsgurte sind Lebensretter

Beckengurte erachten leider viele Fahrer für nicht nötig. Wo vorhanden, sollen diese unbedingt getragen werden. Auch eine Nachrüstung ist in den meisten Fällen einfach und kostengünstig. Einige möchten bei einem drohenden Sturz lieber Abspringen können. Natürlich gibt es den Ausnahmefall, dass eine Fahrerkabine bei einem Unfall eingedrückt wird. Die Überlebenschance ist aber deutlich höher, wenn man angeschnallt ist. Ein Abspringen ist nicht berechenbar und nicht planbar.

Einsatzgrenze beurteilen

Fahrzeughersteller geben keine verbindlichen Einsatzgrenzen bekannt. Grund: Auch zahlreiche Faktoren, die nichts mit dem Fahrzeug zu tun haben, beeinflussen die Einsatzgrenze: Gelände- und Bodenbeschaffenheit, Feuchte, Bewuchs, Fahrtrichtung, Gewicht, Lastverteilung und -verschiebung, Reifenprofil etc. Jeder Fahrer muss die Einsatzgrenze also selber finden. Das ist anspruchsvoll und erfordert viel Erfahrung.

Motormäher

Die meisten Motormäher sind extrem haugtauglich. Trotzdem sind immer wieder schwere Unfälle zu verzeichnen. Meistens wird die Bedienungsperson vom Motormäher rückwärts überrollt. Gründe sind misslungener Gangwechsel, Bremsen die schlecht erreichbar sind oder nicht funktionieren. Für den Einsatz am Hang müssen Motormäher stets in technisch einwandfreiem Zustand sein. Schaltmanöver möglichst in Schichtenlinie und nicht in Falllinie durchführen. Modelle mit selbsthemmendem Getriebe sind sicherer, da sie im Leerlauf nicht wegrollen.

Ältere Personen sollten das Führen von Motormähern im Steilhang jüngeren Kräften überlassen.

Wegrollen von Ballen

Beim Rundballenpressen ist das Wegrollen der Ballen eine potenzielle Gefahr. Ansonsten führt das Eingreifen in die nicht vollständig abgeschaltete Maschine gelegentlich zu Unfällen. Störungen strikte gemäss Betriebsanleitung beheben.

Weitere Infos und Auskünfte: www.bul.ch , Tel. 062 739 50 40