Wer mit einem Motorfahrzeug auf öffentlichen Verkehrsflächen unterwegs ist, braucht eine Versicherung, welche die Schäden bei einem Unfall deckt. Häufig ist nicht klar, ob Fahrzeuge wie oben abgebildet ein Kontrollschild brauchen. Das brauchen sie nicht unbedingt, aber jemand muss die Haftung decken. Beat Schmid, die grüne
 
Wer mit einem motorisierten Fahrzeug ohne Kontrollschild auf öffentlichen Verkehrsflächen fährt, riskiert seine Betriebsexistenz.
Was hier dramatisch tönt ist keine unrealistische Horrorvorstellung, sondern bitterer Ernst, dessen sich viele landwirtschaftliche Betriebsleiter nicht bewusst sind.
Arbeitsfahrzeuge wie Hoflader, Stapler, selbst fahrende Mischwagen werden häufig ohne Nummernschild innerhalb des Betriebs eingesetzt. Man geht davon aus, dass die notwendigen Rangierflächen nicht für andere Verkehrsteilnehmer oder Personen zugänglich sind und Begegnungen die zu einem Unfall führen könnten, ausgeschlossen sind. Klar, manchmal fährt man mit solchen Fahrzeugen auf die andere Strassenseite, um Futter zu holen oder der Nachbar lehnt das Gefährt aus und fährt einige Meter auf der Strasse. Vielleicht passt man dann speziell gut auf, damit ja kein Unfall passiert. Dabei wäre das Problem einfach zu lösen, indem man solche Fahrzeuge einlöst, wie einen Traktor. Eine andere Möglichkeit ist die Hofarealbewilligung, die das Strassenverkehrsamt unter gewissen Bedingungen ausstellen kann. Dann wäre nämlich auch die Haftpflichtversicherung geregelt. Aber häufig unterschätzen Landwirte diese Fahrzeuge und setzen sie ein ohne weitere Abklärungen. Man hofft «bei einem Unfall dann schon irgendwie versichert zu sein.» Ein teurer Irrtum, wenn man tatsächlich einen schweren Unfall mit einem nicht eingelösten Fahrzeug verursacht. Abklärungen bei verschiedenen Versicherungen haben ergeben, dass sie nur dann die Haftung für ein nicht eingelöstes Fahrzeug übernehmen, wenn dieses vom Strassenverkehrsamt eine Bewilligung hat, ohne Kontrollschild verkehren zu dürfen. Was einer Bewilligung für hofinternen Verkehr entspricht.

Hofplatz ist öffentliche Verkehrsfläche
Wer das Risiko mit solchen Fahrzeugen auf öffentlichen Strassen eingeht, hat das gleiche Risiko auch auf privaten Hofplätzen. Denn: «Der Begriff öffentliche Strasse hat nichts mit den Besitzverhältnissen zu tun. Als öffentlich gelten alle Strassen und Plätze, die von jedermann ungehindert, das heisst ohne dass dazu ein Hindernis beseitigt werden muss, befahren oder begangen werden kann. Dies gilt auch für private Hofplätze, die nicht speziell abgetrennt sind», wie die Vereinigung der Schweizer Strassenverkehrsämter auf Anfrage mitteilt. Man ist somit mit einem Motorfahrzeug praktisch überall haftbar.

Einlösen wie ein Traktor
Bei einem Traktor ist es klar. Dieser wird von einem Experten des kantonalen Strassenverkehrsamtes geprüft. Danach gibt es für den Traktor einen Fahrzeugausweis, wofür eine Fahrzeug-Haftpflichtversicherung nachgewiesen werden muss und den Traktor somit versichert. Bei allen Fahrzeugen die man nicht einlöst, verzichtet man auf diesen Schritt. Oftmals wäre es sogar schwierig, dass aufgrund der mangelnden technischen Ausrüstung, ein Prüfungsexperte einen Hoflader oder Stapler ohne Beleuchtung etc. annehmen würde. Oder ein alter Traktor der ständig Öl verliert, könnte auch nicht einfach so durch eine Fahrzeugprüfung gebracht werden. Also lässt man es sein und passt dann eben auf, wenn man die Strasse überquert oder auf dem frei zugänglichen Privatareal herumkurvt.
Wenn man diesem Verhalten das Risiko gegenüberstellt, wenn ein Schaden an Dritten von der Versicherung nicht getragen wird, versteht man nicht, weshalb mit so vielen landwirtschaftlichen Fahrzeugen dieses Risiko eingegangen wird. Oft besteht auch Unklarheit darüber, in welche Kategorie ein solches Fahrzeug gehört. Es gibt Traktoren, Motorkarren, Arbeitskarren, Kleinmotorfahrzeuge, Raupenfahrzeuge etc. Sobald der Lenker auf einem Motorfahrzeug mitfährt, gelten erhöhte Anforderungen. Somit wäre alles klar, wenn die Verkehrsversicherungsverordnung (VVV) nicht Erleichterungen für Fahrzeuge vorsieht, welche zur Hauptsache innerhalb eines Werkareals verkehren und nur selten Strassen kreuzen. Dies entspricht der bereits erwähnten Bewilligung für hof- oder werkinternen Verkehr. Davon kann unter gewissen Umständen auch die Landwirtschaft gebrauch machen.

Werkinterner Verkehr
Unter «werkinternem Verkehr» sieht die VVV folgendes vor: «Muss für den Fahrverkehr zwischen benachbarten Teilen eines Fabrik- oder Werkbetriebes die öffentliche Strasse benützt werden, kann die zuständige kantonale Behörde (Strassenverkehrsämter) dem Unternehmer die Verwendung von Motorfahrzeugen ohne Fahrzeugausweis und Kontrollschilder auf kurzen Strassenstrecken gestatten, sofern er nachweist, das er als Halter dieser Fahrzeuge gegen Haftpflicht versichert ist.» Unter der gleichen Voraussetzung, können Bewilligungen für werkinternen Verkehr auch an landwirtschaftliche Betriebe erteilt werden.
Beim werkinternen Verkehr ist keine Fahrzeughaftpflichtversicherung notwendig. Dadurch spart man einige hundert Franken Prämie. (je nach Fahrzeuggrösse, Bonus Malus, Versicherungsgesellschaft etc.) Die kantonale Behörde erteilt jedoch nur dann eine solche werkinterne Bewilligung, wenn die Abdeckung von Haftungsschäden bei einem Betriebshaftpflichtversicherer nachgewiesen werden kann. Der Reiz der werkinternen Bewilligung liegt nun darin, dass die von uns angefragten Versicherungsgesellschaften mitteilten, dass sie die Deckung im Rahmen der normalen Betriebshaftpflichtversicherung ohne Aufpreis übernehmen. Wenn man bereit ist, nur auf den zugelassenen Fahrstrecken zu fahren, ist es günstiger, seinen Hoflader mit diesem Verfahren einzulösen. Dazu empfiehlt die Vereinigung der Schweizer Strassenverkehrsämter folgendes Vorgehen:
- Schriftliches Gesuch an das Strassenverkehrsamt
- Situationsplan mit eingezeichneter Fahrstrecke
- Graue Versicherungskarte (beim Versicherer anfordern)
Letztlich entscheiden die kantonalen Strassenverkehrsämter über die technische Ausrüstung des Fahrzeugs und allfällige Auflagen, um ein Gesuch für werkinternen Verkehr zu Bewilligen.
Man hat zwei Möglichkeiten, wenn es um Fahrzeuge geht, welche eigentlich nicht für die Strasse gemacht sind, aber trotzdem auf dem Hofareal fahren: Entweder löst man ein Kontrollschild oder man regelt die werkinterne Bewilligung.


Befreiungsschlag ist überfällig!

Hans Stadelmann, BUL

In den letzten Jahren sind die Strassenverkehrsämter immer zurückhaltender geworden mit dem Ausstellen von Hofarealbewilligungen. Auf der andern Seite nimmt die Zahl der betroffenen Arbeitsfahrzeuge kontinuierlich zu. Bis ein Landwirt sein Fahrzeug legalisiert hat, absolviert er nicht selten einen Spiessrutenlauf, wenn es überhaupt klappt. Die Folge sind die zahlreichen Fahrzeuge, die tagtäglich auf den Betrieben verkehren und deren Haftung nicht geregelt ist.
In Anbetracht dieser, für alle betroffenen Landwirte, tickenden Zeitbomben sei ein Blick über die Grenzen erlaubt.
In Deutschland sind alle landwirtschaftlichen Arbeitsmotorfahrzeuge, mit einer bauartbedingt bis 20 km/h in der Betriebshaftpflichtversicherung eingeschlossen. Eine Lösung in diesem Sinne wäre ein umfassender Befreiungsschlag. Einem allfälligen Trend, ausgemusterte Motorfahrzeuge fortan ohne Kontrollschild zu fahren, müsste natürlich entschieden Einhalt geboten werden.

Deutschland: Bis 20 km/h ohne Nummernschild
In Deutschland ist die Regelung einfacher was die Versicherung von selbstfahrenden Arbeitsmaschinen, wie im Artikel beschrieben, betrifft:
Für landwirtschaftliche oder forstwirtschaftliche Zwecke, braucht ein Arbeitsfahrzeug in Deutschland kein amtliches Kennzeichen. Das umfasst alle selbstfahrenden Maschinen wie Hoflader, Stapler, Mähdrescher etc. mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit bis 20 km/h. Solche Fahrzeuge werden in Deutschland in der Betriebshaftpflicht versichert.