Daniel Etter, Schweizer Bauer. Im Fahrkurs «Profis fahren besser» wird geübt, wie sich Fahrer von landwirtschaftlichen Fahrzeugen am besten auf rutschiger Fahrbahn verhalten. Die Eigenheiten der verschiedenen Fahrzeuge werden spürbar.
 
Wenn der Winter und die tiefen Temperaturen Einzug halten, werden die Strassen rutschig und gefährlich. Meldungen von Unfällen häufen sich. An ihnen sind meistens Autos oder Lastwagen beteiligt, selten aber landwirtschaftliche Fahrzeuge – zum Glück. Der Grund liegt darin, dass Traktoren allgemein und im Winter im Speziellen weniger zum Einsatz kommen. Gerade weil landwirtschaftliche Transportfahrzeuge bei glitschiger Fahrbahn selten eingesetzt werden, wissen die Lenker nicht, wie das Fahrzeug reagiert. Doch was, wenn Futter geholt werden muss oder das Holz für die Heizung ausgeht? Bei solchen zwingenden Fahrten kann es zu brenzligen Situationen kommen, die dann und wann in einem Unfall enden.

Übung macht den Meister
Wenn der Traktor ins Rutschen kommt, wird der Lenker vor vollendete Tatsachen gestellt, und alles geht sehr schnell. In solchen Situationen entscheidet die Reaktion des Fahrers über den Ausgang. Muss ich eine Vollbremsung machen? Kriege ich die Kurve? Wie kann der Schaden in Grenzen gehalten werden? Da man in aller Regel nicht auf solche Vorkommnisse vorbereitet ist, reagiert der Körper reflexartig. Man tritt voll auf die Bremse oder lenkt allenfalls in die falsche Richtung. Solche Situationen zu meistern, wird im Fahrtraining «Profis fahren besser» geübt. Im Driving Center in Sennwald SG werden regelmässig Kurse von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) durchgeführt, bei welchen die Lenker von landwirtschaftlichen Fahrzeugen geschult werden, wie sie sich bei Rutschpartien auf Schnee oder Eis oder in anderen brenzligen Situationen verhalten sollen.

Richtig reagieren
Stellt der Fahrer fest, dass der Traktor in der Kurve ins Rutschen kommt, wirkt jegliches Beschleunigen oder abrupte Reduzieren der Motorendrehzahl negativ. Sofortiges Gegenlenken und Auskuppeln des Traktors kann dazu führen, dass der Traktor wieder unter Kontrolle gebracht werden kann. Dabei sollte möglichst sachte gegengelenkt werden, da die Reifen so besser greifen und das Fahrzeug am gewünschten Ort durchgeführt werden kann. Eine Stufe schwieriger wird es, einen Schlepper mit Anhänger beim Rutschen unter Kontrolle zu bringen. Der Anhänger drückt den Traktor hinten weg, sodass dieser ausbricht. Hier kann wiederum mit Auskuppeln und Gegenlenken versucht werden, das Transportfahrzeug unter Kontrolle zu bringen. Wichtig beim Anhänger fahren ist jedoch, dass der Anhänger gut gebremst wird, sodass der Traktor nicht weggeschoben wird.

Die Haftbremsung
Sobald die Räder blockieren, ist das Fahrzeug nicht nur manövrierunfähig, sondern auch seine Haftung und damit die Bremswirkung nimmt ab. Ziel bei einer Notbremsung ist es, die Bremsen so hart zu betätigen, dass die Räder nur nahezu blockieren. Dies ist besonders auf rutschigem Untergrund entscheidend. So wird eine bessere Bremsleistung erzielt, und das Fahrzeug kann beispielsweise auch einem Hindernis ausweichen. Rutscht ein Fahrzeug jedoch seitwärts, müssen die Räder zwingend blockiert bleiben. Kommen die Räder wieder ins Drehen, wirken enorme physikalische Kräfte, und das Fahrzeug wird sich überschlagen.

Verschiedenes Verhalten
Die verschiedenen Fahrzeuge reagieren sehr unterschiedlich. Daher ist es wichtig, dass jeder Fahrer die Eigenschaften seines Gefährts kennt. Jedoch kann es auch bei den modernsten Traktoren vorkommen, dass eine Haftbremsung unmöglich ist. Beim Bremsen auf glatter Fahrbahn treten auch erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Fahrzeugkombinationen auf. Ein Tandemanhänger reagiert nicht gleich wie ein Zweiachsanhänger mit Drehschemel. Entscheidender als die Art der Fahrzeuge ist jedoch, wie die Kombination aufeinander abgestimmt ist. Bremst der Anhänger weniger als der Traktor, schiebt er den Traktor auf glatter Fahrbahn von sich weg. Die Bremsen des Anhängers sollten daher früher einsetzen und eine gute Bremsleistung haben.

Agieren statt reagieren
Anstatt auf brenzlige Situationen reagieren zu müssen, sind diese möglichst zu vermeiden. Dies fängt beim In-Betrieb-Nehmen der Fahrzeuge und dem Ankuppeln von Anhängern an. Eine Bremsprobe und regelmässige Wartungsarbeiten sind zwingend nötig. Bei Fahrten auf der Strasse sind die Verhältnisse jeweils sorgfältig einzuschätzen und die Geschwindigkeit der Situation und dem Fahrzeug anzupassen. Wer vorausschauend fährt und die Gegebenheiten richtig einschätzt, kann agieren statt reagieren und so das Fahrzeug auf dem gewünschten Kurs halten.