Die Arbeit im Wald ist gefährlich. Der persönliche Schutz fängt bei der Kleidung an. Worauf Sie noch achten müssen,  zeigt Natanael Burgherr von der BUL.

Bei einem Arbeitsunfall hat sich ein Arbeiter schwere Verletzungen zugezogen. Das berichtet die Kantonspolizei Zürich. Der 25-jährige Mann war zusammen mit einem Arbeitskollegen damit beschäftigt, bei einem Landwirtschaftsbetrieb mehrere Bäume zu fällen. Aus bisher ungeklärten Gründen schnitt sich der junge Mann, unmittelbar nachdem er einen Stamm durchsägt hatte, selber mit der Kettensäge in den Unterschenkel. Mit schweren Verletzungen wurde er mit
der Ambulanz ins Spital gefahren.
Kein Einzelfall. Oft genug wird die Arbeit mit Motorsäge, Seilwinden, Holzspaltern und anderen forstlichen Maschinen unterschätzt. Auch der persönliche Schutz wird vernachlässigt, was zu tötlichen Unfällen führen kann. Laut BUL sind es ungefähr zehn in jedem Jahr, davon etwa die Hälfte im Bauern- oder Privatwald. Wir zeigen, wie Sie sich bei der Waldarbeit schützen können:

Die Persönliche Ausrüstung
Die Motorsägenarbeit ist untrennbar mit dem Tragen der persönlichen Schutzausrüstung verbunden. Besonders der Schnittschutzhose kommt hierbei eine wichtige Aufgabe zu.

Schutzhose stoppt Motorsäge
Artikel Forst Schnittschutzhose klIn beiden Beinteilen sind jeweils im vorderen Bereich auf ganzer Länge Schnittschutzeinlagen eingearbeitet. Kommt es dort zur Berührung mit der laufenden Motorsägekette, werden dann nach der Durchtrennung des Deckstoffes einzelne Kunststofffasern von den Schneidzähnen herausgerissen und zum Antriebsritzel transportiert. Dadurch wird der Lauf der Motorsäge in Bruchteilen von Sekunden gestoppt. Die Kette kommt zum Stillstand, bevor sie ins Bein eindringen kann. Sobald die Schnittschutzeinlage beschädigt ist, muss sie ausgemustert werden.
Auch ist eine regelmässige Reinigung nötig. Ohne Reinigung hingegen muss die Hose aufgrund von Erde, Harz oder Sägekettenöl schnell ersetzt werden. Da die Fäden durch den Schmutz verkleben, ist ein optimaler und schneller Fadenauszug nicht mehr möglich. Jedoch verliert die Hose auch ab etwa 25 Waschgängen ihre optimale Schutzfunktion.
Neue Schnittschutzhosen sind konsequent auf den Tragekomfort ausgelegt. Die verwendeten Stoffe sind heute leichter, schmutzabweisend und dehnbar. Dadurch sind moderne Schnitzschutzhosen enger geschnitten, sie erlauben aber trotzdem die volle Bewegungsfreiheit. Auch die Schnittschutzeinlagen wurde weiter entwickelt. Die Hosen sind insgesamt leichter und bequemer. Seit neustem sind spezielle Versionen für die Sommerarbeit verfügbar, wo nebst dem Gewicht stark auf Atmungsaktivität und Lüftung geachtet wurde.

Weiterentwicklung des Forsthelmes
Bis zum heutigen Zeitpunkt sind Forsthelme eigentlich Bauhelme, die mit Gehör- und Gesichtsschutz aufgerüstet werden. Das hat preisliche Vorteile, hingegen wurde nie auf die effektiven Bedürfnisse der Forstwirtschaft Rücksicht genommen. Nun hat sich die Firma Pfanner dem Thema angenommen und entwickelte einen Forsthelm, der unter dem Namen «Protos» angeboten wird. Er ist kompakter gebaut als bisherige Modelle und der Gehörschutz lässt sich komplett im Helm verstauen. Eine gute Durchlüftung sorgt auch bei hohen Aussentemperaturen für einen kühlen Kopf. Verfügbar ist dieser Helm ab Frühjahr 2012, Erfahrungen aus der Praxis sind somit noch nicht verfügbar.
Komplettiert wird die persönliche Schutzausrüstung durch:

  • Signalfarbene Arbeitsbluse
  • Arbeitshandschuhe
  • Gutes Schuhwerk mit rutschhemmender Sohle

 

Maschinen sicher bedienen
Für viele Waldbesitzer stellt sich aufgrund der wirtschaftlichen Lage die Frage, ob die Arbeiten an Dritte vergeben oder mit einer verbesserten Mechanisierung selbst ausgeführt werden. Ist letzteres der Fall, ist es wichtig, dass Sie nur sichere und angepasste Maschinen anschaffen und richtig einsetzten.
Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Maschinen aus der Schweiz oder der EU den geltenden Sicherheitsvorschriften entsprechen. Aber nur, wenn mit der Maschine eine Konformitätserklärung und eine Bedienungsanleitung in der Sprache des Kunden mitgeliefert wird. Vergewissern Sie sich bei jedem Kauf, dass diese Unterlagen dabei sind.
Zur Übergabe einer Maschine gehört die gezielte Instruktion durch den Verkäufer. Machen Sie auch neue Mitarbeiter oder Mieter mit der Maschine vertraut.

Motorsägen
Artikel Forst Motorsäge klMotorsägen ohne funktionierende Kettenbremse dürfen nicht mehr verwendet werden. Die Kettenbremse reagiert, wenn bei laufender Kette mit der Spitze des Schwertes ein Baumteil oder ein anderer harter Gegenstand berührt wird und die Schwertspitze hochschnellt.
Auf dem Markt sind auch Kettensägen verfügbar, bei denen die Kettenbremse durch weitere Vorrichtungen ausgelöst wird. Beim «QuickStop Super» genannten System von Stihl ist die Gashebelsperre so ausgeführt, dass beim Loslassen des Handgriffes sofort die Kettenbremse auslöst.
Artikel Forst Triobrake klHusqvarna hingegen setzt beim «TrioBrake» auf einen zusätzlichen Griff. Dabei wird laut Hersteller nicht nur die Arbeitssicherheit, z.B. bei einem Sturz, erhöht, sondern auch die Arbeitsergonomie. TrioBrake weist durch Auslösen der Kettenbremse auf falsche Körperhaltungen hin.
Mit Katalysator ausgerüstete Motorsägen setzen deutlich weniger Schadstoffe frei. Sondertreibstoffe sind weitgehend frei von Schadstoffen und helfen somit, die Gesundheit und die Umwelt zu schonen. Zudem wirken sie schonend für die Motoren, insbesondere wenn die Geräte nur gelegentlich benützt werden. Beim Transport muss das Schwert mit einem Kettenschutz abgedeckt werden.

Seilwinden
Der Traktor mit einer angebauten Dreipunkt-Seilwinde ist eine schlagkräftige und sichere Rückekombination. Die Seilwinde muss aus Sicherheitsgründen mit folgenden Vorrichtungen ausgerüstet sein:
• Heckschutzgitter
• Totmannbedienung
• Seilbremse
• Rückeschild
Die Seilbremse hält die Last am gespannten Seil, damit sie insbesondere in Hanglagen nicht zurückgleiten kann. Das Heckschutzgitter fängt zurückschleudernde Teile auf und schützt den Fahrer. Traktoren zum Holzrücken müssen unbedingt mit einer Fahrerschutzvorrichtung, am besten einer Kabine, mit gutem Aufstieg ausgerüstet sein. Bei der Wahl der Zugkraft gilt als Richtwert Pro Tonne Zugkraft sollten 10 kW Traktorleistung zur Verfügung stehen. Vor allem wegen des Gewichts des Traktors und der Hubkraft.
Für den Bauernwald sind Winden mit 5 bis 8 Tonnen Zugkraft ideal. Die angegebene Zugkraft wird nur in der untersten Seillage erreicht und nimmt gegen aussen, je nach Trommelgrösse, bis zu 30 % ab.
Artikel Forst Holzrücken Funk klBedienen Sie die Seilwinde entweder aus dem geschützten Fahrerraum, per Funk oder mit einer Leine aus sicherer Distanz. Die Funksteuerung hat die meisten Vorteile, weil die Bedienungsperson den Stamm besser beobachten kann und die Reaktionszeiten verkürzt werden.
Dies deshalb, weil die Bedienungsperson direkt reagieren kann und die Befehle nicht von einer Hilfsperson entgegen nimmt. Es stellt aber die höchsten Anforderungen an den Fahrer, weil er gleichzeitig den Traktor und den Stamm beobachten muss. Die Zugrichtung soll möglichst gerade sein, damit der Traktor nicht seitlich umgezogen wird. Die eingesetzten Hilfsmittel wie Umlenkrollen, Rundschlingen oder Ketten müssen an die Zugkraft der Seilwinde angepasst sein.

Holzspaltmaschinen für Meterspälten
Artikel Forst Holzspaltmaschine klDie Spaltkraft eines Holzspalters für Meterspälten sollte mindestens 16 Tonnen betragen. Die Bedienungselemente müssen als Zweihandschaltung ausgeführt sein. Beachten Sie, dass die Bedienungshebel so angeordnet sind, dass sie ein sicheres und rationelles Arbeiten ermöglichen. Bewährt haben sich Zweihandschaltungen, welche ermöglichen, mit einem Griff (Kralle) das Holz festzuhalten und mit dem andern den Spaltvorgang auszulösen. Damit Sie nicht ermüden, sollen sich die Stellteile möglichst leicht betätigen lassen.
Der Spaltvorgang darf nur von derjenigen Person ausgelöst werden, die das Holz vor dem Keil in die richtige Lage bringt. Das Arbeiten zweier Personen an derselben Maschine ist gefährlich. Deshalb strikt unterlassen. Maschinen, die den aktuellen Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügen, sollten als Occasionsmaschinen nicht mehr gekauft werden.
Nützlich sind zudem aufgebaute Hilfsmittel, z.B. hydraulische Hebevorrichtung oder Seilwinde. Die Seilwinde hat den Vorteil, dass schwere Stücke nicht nur aufgestellt, sondern auch zugezogen werden können, je nach Länge des Drahtseils. Bewährt haben sich Seilwinden mit begrenzter Zugkraft (ca. 500 kg).

Forstanhänger mit Kran
Für Holzmanipulation und -transport werden vermehrt Ladekräne eingesetzt, meist in Verbindung mit Anhängern. Um sicheres Arbeiten mit diesen Maschinen zu gewährleisten, müssen bestimmte Vorschriften, Regeln und Hinweise beachtet werden:

  • Artikel Forst Forstanhaenger klFührerstände müssen so angeordnet sein, dass der Bediener durch die Last oder den Kran nicht eingequetscht werden kann. Der Aufstieg zum Führerstand muss rutschfest und mit Haltegriffen versehen sein.
  • Die einzelnen Steuerungshebel müssen eindeutig gekennzeichnet sein. Ein Schutzbügel rund um die Steuerungseinrichtung verhindert das unbeabsichtigte Betätigen der Bedienungshebel.
  • Ladekräne müssen in Verbindung mit der tragenden Konstruktion gegen Überlastung gesichert sein und die vorgeschriebene Standsicherheit aufweisen.
  • Die Hydraulikschläuche müssen gegen Verdrehen, Reiben und Ziehen geschützt sein. Schläuche im Bereich des Bedienungsplatzes müssen abgedeckt werden.

Krananhänger dürfen nur von gut instruierten Personen bedient werden. Vor Beginn und auch während der Arbeit mit dem Ladekran muss der Bediener den Gefahrenbereich stets im Blick haben. Der Stand des Kranes muss vor der Verwendung gesichert werden. Die Stützbeine sind bei jedem Ladevorgang zu verwenden, wobei auf einen sicheren und festen Untergrund zu achten ist. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn der Kran in Hanglagen eingesetzt wird.

Weitere Hilfsmittel
Artikel Forst Frontladergreifer klNeben den schon genannten Maschinen kommen im Forst auch andere an den Traktor angebaute Geräte wie Forstzangen am Frontlader, hydraulisch betätigte Rückezangen, Poldereinrichtungen und Forstkräne zum Einsatz.
Richtig eingesetzt, ist auch damit ein sicheres Arbeiten möglich. Voraussetzungen dazu:
• Die Geräte müssen an den Traktor, respektive den Frontlader passen.
• Der Traktor muss richtig ballastiert sein.
• Die Hub- und Zugkraft darf nur soweit ausgenützt werden, wie die Standsicherheit des Traktors nicht gefährdet ist.
• Bedienpersonen müssen entsprechend instruiert werden.
Gefährlich sind jedoch Schleppzangen, die mit einer Kette oben an einem Dreipunktbock befestigt sind. Durch den hohen Anlenkpunkt am Traktor können sie dazu führen, dass sich der Traktor unter Last nach hinten überschlägt.

Ausbildung
Personen, die im Wald Motorsäge- oder Rückearbeiten ausführen, müssen richtig ausgebildet sein. Im Internet finden sie unter www.holzerkurse.ch ein nach Regionen aufgeteiltes Ausbildungsangebot. Die angebotenen Kurse sind modular  aufgebaut und an die landwirtschaftlichen Bedürfnisse angepasst. Eine vollständige Ausbildung besteht aus den drei Modulen E28 «Grundlagen der Holzhauerei», E29 «Holzhauerei für Fortgeschrittene» und E30 «Holzrücken», sie dauert insgesamt 14 Tage.
Jeder Kurs wird mit einem Kompetenznachweis abgeschlossen und durch einen Ausweis bestätigt.