Wenn die Bremsen besser werden, wirken automatisch auch höhere Belastungen auf die Achsen und das Chassis. Darum gibt es einige Regeln, die beim Aufbau der Achsen unter einem Fahrzeug beachtet werden müssen.

Auszug aus Schweizer Bauer Dossier vom 14. April 2012

PETER MEIER

Nach einem heftigen Rumpeln hinter dem Schlepper sieht der Bauer im linken Rückspiegel, wie sein Güllefass in den Seitengraben fliegt. Beim Antippen der Fussbremse hat sich die Achse am Anhänger komplett vom Fasskörper losgerissen. Zum Glück haben sich im Landebereich weder Fahrzeuge noch Personen aufgehalten. Immer öfter hören wir in letzter Zeit von solchen Ereignissen. Grund dafür ist, dass im Bereich der landwirtschaftlichen Fahrzeuge sich die Hersteller oft nicht an die Vorschriften zum korrekten Achsanbau halten. Ein Flacheisen oben auf den Vierkant geschweisst und fertig ist die Achseinbindung. Bei dieser Konstruktion verdreht sich die Achse aber bei jedem Bremsvorgang, und je nach Schraubenabstand biegt sich das Eisen mehr oder weniger durch. Zusätzlich steigt die Gefahr eines Ermüdungsbruches mit den besseren Bremsen und heutzutage grösseren Rädern stark an. In den Montageanleitungen der Achslieferanten wird darauf hingewiesen, dass nur in der neutralen Phase, also an den Stirnseiten, eine Lochplatte mit Rundschweissung angebracht werden darf. An diesen Schubplatten müssen dann die Klemmplatten zusätzlich verschweisst werden.

Geschraubte Achsen

Bei neueren Fahrwerkskonstruktionen werden die Achskörper meist nur noch geklemmt. Ein vom Achshersteller angebrachtes Profil unter den Achsplatten trägt zusätzlich zur seitlichen Stabilisierung bei. Die Verschraubung hat unter Einhaltung der vorgegeben Anzugsmomente zu erfolgen. Nicht selten sind hier Werte von über 800 Nm vorgeschrieben. Bei Schäden wird oft nach stärkeren Achsen gesucht, um gleichzeitig die Geschwindigkeit auf 40 km/h zu erhöhen. Leider ist aber die darüber liegende Chassiskonstruktion zur Einleitung grösserer Kräfte meistens nicht vorgesehen. Will man also die Geschwindigkeit erhöhen, muss somit meistens auch mit einer Reduktion des Gesamtgewichtes des Anhängers gerechnet werden. Änderungen an Fahrzeugen und Bauteilen dürfen generell nur in Absprache mit dem Hersteller vorgenommen werden. Ist dieser nicht mehr auffindbar, können Fachwerkstätten solche Arbeiten ausführen.

 

30 ist gleich 40 km/h

In der neuen VTS-Änderung im Art. 41 ist dafür eine Erleichterung für Fahrzeugbauer im geschwindigkeitsreduzierten Bereich vorgesehen. Ausgewiesene und anerkannte Fachleute können Herstellerbescheinigungen und Garantien ausstellen. Dafür gelten im Bereich der schnell laufenden Fahrzeuge bedeutend höhere Anforderungen. Für den nur in der Schweiz existierenden Geschwindigkeitsbereich 30 km/h müssen demnach automatisch Komponenten aus der 40-km/h-Reihe eingesetzt werden. Bei sicherheitsrelevanten Teilen muss immer der Bereich über den Hersteller mit abgedeckt sein. Sind also Achsen und Verbindungseinrichtungen nur mit 25 km/h gekennzeichnet, ist ein Betrieb mit höherer Geschwindigkeit und gleich bleibenden Gewichten gar nicht möglich. Dass nicht eingelöste Fahrzeuge bis auf die Bremsverzögerung ebenfalls allen anderen Sicherheitsvorschriften gleich entsprechen müssen, sind sich viele Anwender nicht bewusst. Das nachträglich hinten aufgeklebte Geschwindigkeitszeichen ist noch kein Garant vor unliebsamen Überraschungen.