Fünf Fragen an Rudy Burgherr, Geschäftsführer Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft, BUL.

 

Thomas Vogel, MIGROS-MAGAZIN

 

 

1. Rudy Burgherr, in kurzer Zeit ereigneten sich zwei tödliche Unfälle mit Kindern und landwirtschaftlichen Maschinen. Für jeden Schulweg und jeden Spielplatz gibt es Sicherheitsvorschriften. Gibt es sie auch für Bauernhöfe?

Auf das Leben auf dem Bauernhof sind verschiedene Vorschriften anwendbar. Rund um Fahrzeuge gelten die Strassenverkehrsvorschriften, so über das Mitfahren von Kindern auf dem Traktor. Grundsätzlich ist auf einem Bauernhof alles in Bewegung und mit statischen Vorschriften wenig zu erreichen.

 

2. Haben Bauernkinder ein höheres Unfallrisiko?

Ja. Das Risiko, dass ein Kind auf einem Bauernhof tödlich verunfallt, ist zwei bis drei Mal so hoch wie anderswo. Uns werden jährlich fünf bis zehn tödliche Kinderunfälle bekannt.

 

3. Sind Spiel- und Arbeitsbereiche auf einem Hof ungenügend abgetrennt?

Vor acht Jahren starteten wir die Kampagne «Kinder sicher und gesund auf dem Bauernhof». Ein wichtiges Thema war das Abtrennen der Spielplätze vom Arbeitsbereich. In den letzten zehn Jahren sind auf Bauernhöfen nur noch halb so viele Kinder tödlich verunfallt wie in den zehn Jahren zuvor. Kampagnen bewirken offenbar etwas.

 

4. Wo lauern auf Bauernhöfen die grössten Gefahren für Kinder?

Die meisten schweren und tödlichen Unfälle ereignen sich um Maschinen und Fahrzeuge, ungeschützte Bodenöffnungen sowie mit Güllegasen und Tieren.

 

5. Haben landwirtschaftliche Maschinen Sicherheitsvorkehrungen wie Rückfahrkameras oder Rückfahrwarnsignale?

Es gelten die Strassenverkehrsvorschriften und die Europäischen Sicherheitsvorschriften. Dazu gehören in Einzelfällen auch Rückfahrkameras. Die Rückspiegel an Traktoren müssen ausziehbar sein, damit die Sicht nach hinten immer gewährleistet ist. Land- und Forstwirtschaft stellen aber sehr hohe Anforderungen an Robustheit und Technik. Deshalb ist nicht alles mach- und bezahlbar.