Traktoren faszinieren Kinder. Sie stellen aber auch eine grosse Gefahr für sie dar. Mehr Sicherheit bringt eine Rückfahrkamera oder ein Kindersitz

Maria Kobler-Wyer, Tagblatt Ostschweiz

In den letzten Wochen haben verschiedene Traktorunfälle mit Kindern für Schlagzeilen gesorgt: Am Samstag ist in Oberegg ein 14-jähriges Mädchen mit einem Traktor gekippt und unter dem Fahrzeug eingeklemmt worden, im freiburgischen Bösingen starb ein  12-jähriger Knabe, als er von wegrollenden Traktor sprang und vom Hinterrad überrollt wurde, Ex-Skirennfahrer Paul Accola überfuhr beim Mähen mit einem Kleintraktor einen 8-Jährigen.  Immer wieder kommen auch Kleinkinder ums Leben, weil sie auf dem Hof ihrer Eltern von einem Traktor überrollt werden. «Bei einem Unfall mit einem Traktor hat ein Kind keine Chance», sagt Beat Burkhalter, Experte bei agriss, gegenüber Tagblatt Online. «Es ist tragisch, wenn ein Kind stirbt.»

«Motoren ziehen Kinder an»
Zwar sind Stürze immer noch die häufigste Unfallursache in der Landwirtschaft. Die meisten schweren Unfälle ereignen sich mit Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen. Kinder sind auf Bauernhöfen besonders gefährdet. «Motoren sind interessant», sagt Burkhalter. «Sie ziehen Kinder an.» Und er fügt an: «Die Traktoren werden immer grösser und unübersichtlicher». Deshalb ereignen sich die meisten Unfälle beim Rückwärtsfahren oder Manövrieren.

Rückfahrkamera anbringen
Ein Landwirt hat verschiedene Möglichkeiten, die Sicherheit für Kinder auf seinem Hof zu erhöhen – eine ist die Rückfahrkamera. «Sie ermöglicht dem Landwirt, den Raum hinter einem Anhänger zu sehen», sagt Beat Burkhalter. Als «etwas schwierig» bezeichnet er andere technische Systeme, bei denen es zum Beispiel piepst, wenn sich das Fahrzeug einer Person nähert. «Man verlässt sich dann vielleicht zu sehr auf das Piepsen.» Daneben appelliert Burkhalter an die Aufsichtspflicht der Bauern – dass er etwa ein Kind wegschickt, wenn er mit dem Traktor fährt oder eine andere Person bittet, das Kind zu beaufsichtigen. «Zudem sollte der Landwirt nicht zu schnell fahren, immer bremsbereit sein», sagt er.

Kindersitz-Pflicht
Kinder bis 7 Jahre dürfen auf Traktoren nur gesichert auf einem Kindersitz mitgeführt werden. Als Kinderhütemittel will Burkhalter den Traktor nicht propagieren. «Aber es ist sicher besser, wenn das Kind auf dem Traktor sitzt, als wenn es unverhofft um die Ecke kommt.»

Kampagne: Mehr Sicherheit für die Kinder
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft  (BUL) hat bereits 2004 die Kampagne «Kinder sicher und gesund auf dem Bauernhof» ins Leben gerufen. Beat Burkhalter selber thematisiert bei Betriebskontrollen die Kindersicherheit auf dem Hof. «Wenn Kinder auf dem Hof sind, ist der Bauer sensibilisiert für dieses Thema und zeigt sich kooperativ», sagt er. Es gebe aber Unterschiede zwischen Arbeits- und Kindersicherheit. «Auf einer Heubühne genügt ein Geländer, bestehend aus einer Brustwehr und einer Knieliste, um die Anforderungen an die Arbeitssicherheit zu erfüllen», erklärt Burkhalter. «Kindersicher ist es aber nicht, da Kinder unter dem Geländer hindurch fallen können. Damit es kindersicher ist, müssen senkrechte Elemente in einem maximalen Abstand von 12 Zentimetern angebracht sein.» Der Aufwand, einen Betrieb kindersicher zu machen, sei sehr gross.

«Jeder kann 'Schlaf im Stroh' anbieten»
Einige Betriebe bemühen sich dennoch, die Sicherheitsvorgaben der Kampagne auf ihrem Hof umzusetzen. «Vor allem Betriebe, die 'Ferien auf dem Bauernhof' oder 'Schule auf dem Bauernhof' anbieten, sind besonders interessiert», sagt Burkhalter. «Es kann auch sein, dass diese Höfe von der Tourismusseite her Auflagen erhalten oder den Nachweis einer Betriebsbesichtigung erbringen müssen». Ansonsten ist ein Landwirt nicht verpflichtet, besondere Sicherheitsmassnahmen einzuführen. «Im Prinzip kann jeder Bauer eine Tafel anbringen, auf der er 'Schlaf im Stroh' anbietet», sagt Burkhalter. «Ohne Kontrolle.»