Wetterbesserung: Jetzt sind die Bauern mit den Traktoren und Maschinen Tag und Nacht im Einsatz, um Heu und Silage rasch ins Trockene zu bringen. Das gibt zusätzlichen Erntelärm, der bis tief in die Nacht und am Wochenende möglich ist.

 

Hans Lüthi, Aargauerzeitung

 

Drei Wochen Rückstand beschert der Jammer-Frühling auch den Aargauer Bauern. Weil die Qualität des Futters abnimmt, muss diese Woche möglichst viel Gras gemäht und zu Silage oder Heu verarbeitet werden.

Die Folge: «Wir sind Tag und Nacht im Einsatz, notfalls auch am Wochenende», sagt Geschäftsführer Fredy Hirter von Hirter & Tschanz AG in Safenwil. Das typische Lohnunternehmen für Landwirte ist vom Westaargau bis nach Baden im Einsatz, um die Silage rechtzeitig ins Trockene zu bringen.

In aller Regel ist die Arbeitsteilung so: Der Bauer mäht die Wiese selber, nach einem bis zwei Tagen Trocknen des Grases kommt der Lohnunternehmer mit einer Maschinengruppe, die deutlich über eine halbe Million Franken kostet.

Nachtlärm nicht zu vermeiden

Wirtschaftlich und ökologisch ist es sinnvoll, wenn nicht jeder Bauer wegen ein paar Tagen Ernte den teuren Maschinenpark selber anschafft. Das führt aber zu vermehrten Fahrten, auch auf den Strassen, in der Nacht und an Sonntagen.

«Wir müssen diese Woche fahren, bis die Arbeit fertig ist, das kann auch in der zweiten Nachthälfte sein», erklärt Hirter. Natürlich mache man die Arbeit zu Unzeiten möglichst weg von den Wohngebieten, aber störender Lärm lasse sich nicht völlig verhindern.

Die Polizei habe ihn noch nie vom Traktor geholt, aber es gebe schon Leute, welche rasch einmal die Polizei aufbieten würden. Die gesetzlichen Grundlagen der Lärmschutz-Verordnung (siehe Box) und der Polizeiverordnungen sind zwischen dem Schutz der Bevölkerung und den Ausnahmen für Bauern schwammig.

Lärmschutz: Ausnahmen für dringend nötige arbeiten

Die gesetzlichen Grundlagen geben einen relativ grossen Ermessensspielraum. Gemäss der Lärmschutz-Verordnung muss die Landwirtschaft den Aussenlärm von Geräten und Maschinen begrenzen. «Soweit dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist.» Die Bevölkerung dürfe in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich gestört werden - was viel Spielraum lässt. Der Immissionsschutz des Artikels 684 ZGB verpflichtet jedermann, beim Betrieb eines Gewerbes sich aller übermässigen Einwirkungen auf das Eigentum der Nachbarn zu enthalten.
Auch die Polizei-Reglemente der Gemeinden enthalten Regeln, im Raum Zofingen diese: In der Zeit von 23 bis 6 Uhr ist jeder Lärm verboten, der die Nachtruhe stört. Ausgenommen sind Arbeiten zur Behebung eines Notstandes oder dringende und wetterabhängige Arbeiten in der Landwirtschaft.

Aufruf zu vermehrter Toleranz

Mit einem Aufruf zur Toleranz wendet sich Paul Müri, Vizepräsident im Aargauer Verband für Landtechnik, an beide Parteien: «Diese Erntearbeiten sind für unsere Nahrungsmittelversorgung nötig», argumentiert er an die Adresse der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung. Die Bauern selber und die Lohnunternehmer bittet er, die Nacht- und Sonntagsarbeiten wirklich auf das absolut nötige Minimum zu beschränken. Mit Vorteil sei die Regionalpolizei über Noteinsätze im Voraus zu informieren, damit sie Bescheid wisse, wenn sich wütende Bürger an die Hüter des Gesetzes wenden.

Transport zu Silos oder Siloballen

Auch auf den Strassen müssen sich die Traktorfahrer von den Autolenkern oftmals Beschimpfungen und unschöne Reaktionen gefallen lassen, wenn sie mit Tempo 40 unterwegs sind – manchmal auch im Pendlerverkehr. Das Gras für die Silage muss nach Schnitt und Trocknung durch einen Häcksler und kommt in den Dosierwagen. Von dort wird es auf dem Bauernhof mit einer Spezialmaschine in die hohen Silos geblasen. Alternativ dazu werden die weissen oder grünen Siloballen gleich auf dem Feld hergestellt und später abtransportiert. Die mangels Sonne schlechte Qualität des diesjährigen Futters wirkt sich negativ auf den Milchertrag aus. Umso wichtiger ist es jetzt, das hohe Gras rasch zu schneiden und vor der nächsten Regenfront ins Trockene zu bringen.

Hirter & Tschanz in Safenwil sind eines der grossen Lohnunternehmen im Aargau, von denen es noch rund ein Dutzend gibt. Das Häckseln von Holz für Schnitzelheizungen gehört weiter zu den Haupttätigkeiten des Familienbetriebs mit zehn fest angestellten Mitarbeitern.