Eine Aktion des AVLT in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft Rübenumschlag Aargau und dem kantonalen Strassenverkehrsamt

 

Paul Müri, Gränichen

 

Nach wie vor nimmt die Zahl der Fahrzeuge im Strassenverkehr zu und es ist kein Ende abzusehen. So wurden beispielsweise alleine im Aargau von Oktober 2012 bis September 2013 täglich durchschnittlich 21 Autos neu zugelassen! Das ständig wachsende Verkehrsaufkommen ist auch für den landwirtschaftlichen Strassenverkehr ein immer grösseres Problem. Dies bedeutet für den Halter und Fahrer  solcher Fahrzeuge einwandfreie Ausrüstung von Traktor, Anhänger und Anbaumaschinen, Einhaltung der Gewichtsgrenzen und korrektes Verkehrsverhalten.

 

Immer stärker, grösser und schneller

 

Viele Lohnunternehmer und Landwirte haben in den letzten Jahren „aufgerüstet“, verfügen über stärkere Traktoren und grosse Transportanhänger. Hinweise der Verkehrspolizei nach Kontrollen und Unfällen, sowie die Diskussionen unter landwirtschaftlichen „Strassenprofis“ veranlassten den Aargauer Verband für Landtechnik AVLT, Vermutungen nachzugehen, dass immer häufiger die Gewichts- und Belastungs-Grenzwerte bei Traktoren und  Anhängern überschritten würden. Insbesondere sind es die Transportarbeiten mit schweren Schüttgütern, wie Getreide, Silage, Kartoffeln, Zuckerrüben und gelegentlich Kies oder Beton, die Probleme verursachen können. Dabei liegt es doch nahe, pro Einsatz möglichst viel zu transportieren, um Zeit und Kosten zu sparen… (glaubt man!).

 

In Zusammenarbeit mit dem kantonalen Strassenverkehrsamt in Schafisheim wurden anfangs Dezember 10 Anhängergespanne (Zentralachsanhänger mit 1 oder 2 Achsen) auf die massgebenden Gewichte überprüft.  Alle angefragten Landwirte von der  Genossenschaft Rübenumschlag Aargau machten freiwillig mit, wollten sie doch auch wissen, „was Sache ist“. 

 

Ergebnisse

 

Die Ergebnisse sollen hier nicht im Einzelnen diskutiert werden. Dies wird dann im Rahmen eines Treffens mit den Beteiligten geschehen. Drei der Anhängerzüge hatten  überladen (z.T. Gesamtgewicht, Stützlast, Achslast Anhänger). Die Messtoleranz beträgt im übrigen 3%, danach würde bestraft. Allgemein ist man der Meinung, eine solche Übung mache Sinn und gebe den Fahrern mehr Sicherheit, wie sie zukünftig die Limiten einhalten können. Man will die Messungen deshalb im Spätherbst 2014 andernorts wiederholen.

 

Wie verhalte ich mich richtig?

 

Bezüglich zugelassene Maximalwerte finde ich die entsprechenden Gewichte und Anhängelasten im Traktor-Fahrzeugausweis und ebenso diejenigen, bei 40er Anhängern, in ihrem Ausweis. Zu beachten sind insbesondere die maximale Stützlast am Traktor, die Vorderachslast (mind. 20% des Betriebsgewichtes, also mit Stützlast!) und die Reifentragkraft. Dasselbe ist beim Anhänger zu kontrollieren; dieser muss ein Herstellerschild mit Angabe Baujahr, Garantiegewicht und seit 2001 auch die Achslasten aufweisen (siehe auch Schild an den Achsen). Die Hochrechnung des Anhängerinhalts mit dem Raumgewicht (Schüttgewicht) ergibt den Inhalt in Tonnen. Bei Weizen z.B. werden Werte von 710 bis 820 kg/m3, bei Zuckerrüben von 650 bis 750 kg/m3 und bei Maissilage bis 700 kg/m3 angegeben. Anhaftende Erde bei ZR erhöht die Werte! Aus der zugelassenen Nutzlast (Garantiegewicht – Leergewicht) geteilt durch das Raumgewicht ergibt sich die maximale (gleichmässige) Schütthöhe.  Gewichtsmessungen zeigen danach, ob die maximale Stützlast am Traktor nicht überschritten wird und evtl. zu einer ungleichmässigen Verteilung (weniger Gewicht im Frontbereich des Anhängers) zwingen!

 

Fahrverhalten und Gewichtsverhältnisse anpassen!

 

Ohne Zweifel sind Zentralachsanhänger (mit Stützlast) deutlich sicherer im Strassenverkehr, als „Normalanhänger“ (ziehen, bremsen). Die Kippgefahr ist jedoch, insbesondere bei hohen (oder noch selbst erhöhten!) Aufbauten um einiges grösser. Geschwindigkeitsreduktion in Kurven und v.a. auch in Kreiseln ist ein absolutes Muss ! Die Gesetze der Physik gelten auch für landwirtschaftliche Transportarbeiten. Einmal mehr muss auch darauf hingewiesen werden, dass nicht zugelassene Anhänger nur mit Tempo 30 verkehren dürfen.  Bei einer Kontrolle oder v.a. bei einem Unfall könnte es sonst richtig teuer werden (der Bremsweg bei 40 km/h ist bei gleicher Bremswirkung um rund 3/4 länger!).

 

Zu beachten ist ferner, dass der voll beladene Anhängerzug bei einer Steigung von 15% noch anfahren können muss. Tipp vom Verkehrsfachmann der BUL, Hans Stadelmann: Maximale Anhängelasten = 4 x das Gewicht auf den angetriebenen Achsen minus Betriebsgewicht des Traktors (ohne Stützlast). Beispiel: Allradtraktor (4 t + 1 t Stützlast) 5 Tonnen Betriebsgewicht x 4 = 20 t minus 4 t = 16 t Anhängelast (sofern gemäss Fz-Ausweis zugelassen). Auch wenn höhere Anhängelasten zulässig wären, ist die Sicherheit nicht mehr gewährleistet!

 

Weitere Hinweise siehe in der neu überarbeiteten BUL-Broschüre Nr. 2 „Landwirtschaftlicher Strassenverkehr“.