Der Strassenverkehr verlangt von den Landwirten einiges an Wissen, um sich darin

korrekt zu bewegen. Die Vorschriften sind nicht immer leicht umsetzbar. Die Polizei trifft andauernd auf Verstösse, die auf Nachlässigkeit oder Unwissenheit zurückzuführen sind.

Walter Schnider, LZSG

Der landwirtschaftliche Strassenverkehr geniesst einige Sonderrechte, um mit den unförmigen, breiten oder schweren Anhängern, Maschinen und Geräten legal auf die Strasse gehen zu können. Die Landwirtschaft ist auf dieses Entgegenkommen angewiesen. Umso mehr gilt es, diesen Rechten Sorge zu tragen und sich korrekt im Verkehr zu verhalten. Nach Auskunft der Kantonspolizei, Hans Eggenberger, Chef Technischer Verkehrszug, Mels, sind die Vergehen vielfältig. Die nachfolgenden Beispiele sind nur ein Auszug.

Gefährliche Teile

Art. 58 VRV besagt, dass Bestandteile, Arbeitsgeräte oder Ladestücke, die bei Zusammenstössen gefährlich werden könnten, namentlich wegen Spitzen, Schneiden oder Kanten, mit Schutzvorrichtungen versehen sein müssen. In der Praxis können dies Spitzen für den Rundballentransport, Schürfkanten von Heck- oder Frontschaufeln, aufgeklappte Schwader- oder Kreiselheuerzinken oder Balkenmähwerke sein.

Ladungen kennzeichnen

Ladungen, Einzelteile oder Anhänger, die seitlich vorstehen, müssen an den äussersten Stellen auffällig gekennzeichnet werden. Tagsüber reichen Wimpeln oder Tafeln. Nachts oder bei schlechter Witterung sind Lichter oder Rückstrahler, die nach vorne weiss und nach hinten rot leuchten, erforderlich. Wenn neue Maschinen in Betrieb genommen werden, entsprechen sie dem Strassenverkehrsgesetz. Somit dürfen diese Schutzvorrichtungen, Beleuchtungseinrichtungen oder Markierungen nicht entfernt werden. Vielmehr sollten sie in gebrauchsfähigem Zustand gehalten werden. Bei den neuen, grossen Traktoren sind die Frontgeräte natürlich ebenfalls entsprechend gross. So ist es oft schwierig, beispielsweise bei Frontmähwerken, den gesetzlichen maximalen Abstand von Mitte Lenkrad bis vorderster Punkt Gerät einzuhalten. Hier gelten für landwirtschaftliche Fahrten nach wie vor vier Meter. Zudem müssen ab drei Metern Überhang am Frontanbaugerät Weitwinkel-Seitenblickspiegel montiert sein, um an unübersichtlichen Stellen sicherer in die Strasse einmünden zu können. Diese Spiegel sollten möglichst gross sein und eine stabile Halterung haben.

Ladung richtig sichern

Immer wieder müssen Traktoren mit Frontlader beanstandet werden, weil mit angebauten Werkzeugen (Ballenzange oder Schaufel), der maximale Überhang überschritten wird. Eine weitere Beanstandung: Sichtbehinderung für den Fahrer. Zu Diskussionen und Bussen führt auch immer wieder der Siloballen- Transport. In der Erntezeit, unter Zeitdruck, werden die Ballen oft nicht fachgerecht gesichert. Es ist aber unerlässlich, denn auch schwere Güter unterstehen bei Kurvenfahrt oder beim Bremsen den physikalischen Gesetzen der Massenträgheit. Entsprechend dem Gewicht verursachen einmal in Bewegung geratene Siloballen meistens Sachschäden und können auch Personen gefährden.

Gewerbliche Fahrten

Nichts Böses gedacht hat sich jener Landwirt, der dem ortsansässigen Zimmermann schnell helfen und ein Fuder Balken auf dessen Baustelle führen wollte. Bei einer Routinekontrolle der Polizei erhielt er prompt eine Busse wegen unerlaubter Fahrt mit grünem Kontrollschild. Grundsätzlich dürfen mit landwirtschaftlichen Motorfahrzeugen (Grüne Nummer) und Anhängern auf öffentlichen Strassen nur landwirtschaftliche Fahrten durchgeführt werden. Diese Fahrten müssen in Zusammenhang mit der Bewirtschaftung eines landwirtschaftlichen Betriebes (zwischen Hof, Feld und Wald) stehen. Für gewerbliche Fahrten ist das weisse Kontrollschild nötig. Für diese Fahrten gelten die normalen Vorschriften. So darf das Fahrzeug nicht über 2,55 Meter breit sein, der Überhang vorne, ab Mitte Lenkrad, darf nur drei Meter betragen - es gilt das Sonntags- und Nachtfahrverbot, und die Fahrzeuge sind PSVA-pflichtig. Werden diese Fahrzeuge für landwirtschaftliche Fahrten verwendet, dürfen alle Erleichterungen beansprucht werden. Genauere Angaben dazu: Verkehrsregelnverordnung (VRV) Art. 86 bis 88.

Bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit

Der Traktor ist auf 40 km/h ausgelegt, der Transport- oder Arbeitsanhänger aber nur für 30 km/h. Die Versuchung ist gross, bei Zeitdruck mit einem solchen Anhänger 40 km/h zu fahren. Dies ist jedoch nicht erlaubt und wird gebüsst. Der Anhänger muss auf die höhere Geschwindigkeit von 40 km/h ausgelegt sein. Das hat einen Einfluss auf die Konstruktion, das Chassis, die Bereifung, die Achsen und die Bremsen, da die Belastung überproportional steigt.

Fazit

Der Landwirt braucht umfassende Kenntnisse, wenn er sich gesetzeskonform und sicher mit seinen Fahrzeugen im Strassenverkehr bewegen will. Dauernde Information und Umsetzung von Neuerungen ist ein Muss. Damit schützt er sich nicht nur vor Ärger, sondern auch vor unnötigen Kosten.

Hilfreich für verkehrstechnische Fragen:

Die BUL Broschüren oder die kantonalen Berater für Landtechnik und Unfallverhütung