Am Wochenende starb ein Mann beim Kirschenpflücken. Durch einfache Massnahmen hätte dies verhindert werden können.

SILVANA SCHREIER, Basellandschaftliche Zeitung

«Wir gehen von einem Sturz aus, der letztlich zum Tode geführt hat», sagt Meinrad Stöcklin, Sprecher der Baselbieter Polizei. Was den Sturz ausgelöst habe, sei noch offen. Unfälle bei der Kirschenernte würden immer wieder vorkommen. In den vergangenen Jahren seien es jedoch Einzelfälle gewesen. Eine spezielle Statistik zu derartigen Unfällen führe die Polizei allerdings nicht.

Pascal Simon, Leiter von Produktion, Markt und Direktzahlungen des landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain in Sissach, sagt: «Pro Jahr fällt mindestens eine Person bei der Ernte von einer Leiter». Meist ende der Sturz allerdings nicht tödlich. Trotzdem würden sich jedes Jahr einige Menschen bei der Ernte verletzen. Oftmals handle es sich um ältere Leute, die bei der Ernte helfen würden.

Leiter am Baum anbinden

Grund für derartige Unfälle könnte sein, dass die Anstrengung des Kirschenpflückens teilweise unterschätzt würde: «Besonders wenn es sehr heiss ist, kann es sein, dass ältere Leute von der Leiter fallen, weil ihnen schwindlig wird», erklärt Simon. Ausreichend Wasser und Essen sowie Pausen in den heissesten Stunden des Tages könnten solche Unglücke verhindern.

Als erste Vorsichtsmassnahme empfiehlt Simon, die Leiter richtig an den Baum zu stellen. «Wenn der Boden ausgetrocknet und dadurch sehr hart ist, ist es besonders wichtig, dass die Leiter am Obstbaum angebunden wird. Gut in den Boden gerammte Leiterspitzen verhindern ein Abdrehen der Leiter», sagt Simon.

Das Positionieren der Leiter sollte zudem seiner Meinung nach immer von einem erfahrenen Arbeiter übernommen werden.

Gutes Schuhwerk tragen

Eine gute Vorbereitung der Ernte und stabiles Schuhwerk seien unverzichtbar bei der Kirschenernte. Die Baselbieter Polizei empfiehlt ausserdem, bei Nässe beim Auf- und Abstieg von der Leiter besonders vorsichtig zu sein.

Unerfahrene werden geschult

Jacqueline Kaufmann baut gemeinsam mit ihrem Mann Hochstammkirschen in Arisdorf an. Auf ihrem Hof habe sich bis jetzt noch nie ein Unfall beim Kirschenpflücken ereignet: «Vor ein paar Jahren haben wir eingeführt, dass alle Mitarbeitenden beim Ernten Pflückgurte tragen. Damit binden sie sich an der Leiter an, diese ist wiederum am Baum angebunden», sagt Kaufmann. Der Korb für die gepflückten Früchte sei ebenfalls daran befestigt. Weiter würden unerfahrene Erntehelfer zuerst ausführlich geschult, was zusätzlich Unfällen vorbeuge. Mit diesen Sicherheitsmassnahmen hätten sie bisher gute Erfahrungen gemacht.

Ebenso wichtig wie das Tragen der Gurte sei die Pflege der Hochstammkirschbäume: «Wir schneiden die Bäume jeweils so, dass man die Leiter gut anstellen kann und dass die Bäume gleichzeitig viele Früchte geben», erklärt Kaufmann.

Um Unfälle bei der Kirschenernte komplett verhindern zu können, gäbe es nur eine Möglichkeit: «Wenn man von Hochstammbäumen auf Obstanlagen umstellt, kann man die Früchte vom Boden aus ernten», erklärt Pascal Simon vom Ebenrain. So umgehe man die Gefahr der Stürze. Die Zahl der Hochstammbäume nehme bereits von Jahr zu Jahr ab. Grund dafür ist nicht nur das verminderte Unfallrisiko, sondern auch die Steigerung der Erntemengen und der Qualität der Kirschen.