In der Futterernte wird immer mehr Technik und weniger Personal eingesetzt. Der Stress nimmt zu und mit ihm das Fehlverhalten, die Unachtsamkeit und das bewusste Eingehen von Risiken. Wenn alle technischen Sicherheitsvorrichtungen getroffen sind, kann der Mensch gewisse Fehler machen, ohne dass es gerade zu schweren Verletzungen kommt.
 
Sicher auf der Strasse
Die Anforderungen des Strassenverkehrsgesetzes sind relativ einfach zu erfüllen.
Wenn ein Anbaugerät die Rücklichter des Traktors teilweise oder ganz verdeckt, ist eine Ersatzbeleuchtung erforderlich.
Wenn das Anbaugerät seitlich um mehr als 15 cm über den Traktor vorsteht oder wegen der Konstruktion nicht leicht erkennbar ist, sind beidseitig Markierungstafeln erforderlich.
Bei abstehenden Zinken sollen Schutzbügel die äussere Begrenzung bilden.
Anbaugeräte dürfen heute bis 3,5 m breit sein. Bei einer Breite von über 3 m sollte bei kritischen Situationen ein Drehlicht eingeschaltet werden.
Gezogene Maschinen mit einer Transportbreite von über 2,55 m müssen eingelöst werden, sie erhalten ein braunes Kontrollschild.
Beim Einführen mit dem Ladewagen kommt der Slogan „schon kontrolliert“ zum Tragen. Die entscheidenden Fragen sind: Funktionieren Beleuchtung und Blinker? Ist die Anhängerbremse angeschlossen, die Bremsprobe gemacht und die Notbremse eingerichtet? Sehe ich mit den Rückspiegeln auf beiden Seiten ausreichend nach hinten?
Das Linksabbiegen ist für landwirtschaftliche Fahrzeuge das risikoreichste Manöver auf der Strasse. Es ist höchste Konzentration erforderlich. Nebst konsequentem Fahren mit den Rückspiegeln, rechtzeitiges Blinker Stellen und auffällig Einspuren, gehören auch der Kontrollblick zurück und die Bremsbereitschaft dazu. Der Traktorfahrer muss immer damit rechnen, dass noch Fahrzeuge zum Überholen ansetzen, besonders Motorräder.
Wenn ein Blinker am Anhänger schlecht sichtbar ist, soll eine zweite, hoch angeordnete Garnitur montiert werden.

Rücksichtslosigkeit nimmt zu
Bei Heuwetter sind auf Nebenstrassen und schmalen Wirtschaftswegen neben den Traktoren auch viele Velofahrer unterwegs. Man muss leider zunehmend feststellen, dass viele Traktorfahrer beim Überholen und Kreuzen ohne Gas wegzunehmen an den Velofahrern vorbeibrettern. Dieses rücksichtslose Verhalten ist nicht nur Image schädigend, sondern höchst riskant.

Hangeinsatz
Für den Hangeinsatz sind unbedingt hangtauglich ausgerüstete Traktoren und Maschinen einzusetzen. Nur Traktoren mit Sicherheitskabine, Sicherheitsgurt, Allradantrieb und genügend Reifenprofil sind hangtauglich. Die Sicherheitskabine kann den Fahrer nur schützen, solange er im Schutzraum bleibt. Das bedeutet immer und überall Gurtentragpflicht. Wer das ignoriert handelt verantwortungslos, besonders gegenüber seinen Angehörigen. Leider werden auch immer noch alte Traktoren ohne Fahrerschutz eingesetzt. Da ein solcher Traktor eindeutig kein sicherer Arbeitsplatz mehr ist, wird ein Arbeitgeber im Schadenfall durchaus mit Grobfahrlässigkeit konfrontiert, was Regress bedeuten kann.

Sichere Maschinen
Hersteller von Maschinen sind verpflichtet, nur noch Maschinen zu verkaufen, welche die europäischen Sicherheitsvorschriften erfüllen.
Es ist dann Sache des Betreibers, dafür zu sorgen, dass der Sicherheitsstandard bis zur Ausmusterung der Maschine erhalten bleibt. Der Gelenkwellenschutz ist leider immer noch ein sehr anfälliges Bauteil und das Betreiben einer Gelenkwelle ohne kompletten Schutz bedeutet Grobfahrlässigkeit. Schutzabdeckungen und Schutzbügel werden gelegentlich als Schikane empfunden und leichtsinnig demontiert. Auch das wäre vor Gericht schlecht.

Mähen birgt Gefahren
Wegfliegende Messer von Kreiselmähern können Drittpersonen treffen oder Sachschaden anrichten. Bei der Wartung von Kreiselmähwerken sicherstellen, dass die Messer-Halterungen korrekt sitzen und nicht zu stark verschlissen sind. Alle Messer müssen etwa gleich abgenützt sein und dürfen keine Schäden aufweisen.
Auch wegfliegende Fremdkörper können Personen treffen. Darauf achten, dass sich beim Mähen möglichst keine Drittpersonen in der Nähe aufhalten.
Kreiselmäher können einen langen Nachlauf haben. Wenn während dem Einsatz am oder um das Mähwerk herum hantiert werden muss, ist immer der absolute Stillstand der Messer abzuwarten.

Zetten und Schwaden
Gelegentlich werden Personen von den laufenden Kreiselarmen erfasst und schwer verletzt. Beim Einstellen der Arbeitshöhe vom Boden aus darf die Maschine nicht laufen.
Auch zum Zetten und Schwaden am Hang dürfen nur hangtaugliche Maschinen eingesetzt werden. Besonders bei Wenden ist Vorsicht geboten, da Maschinen mit Schwenkbock seitlich ausschlagen und dabei den Traktor zum Kippen bringen.

Einführen
Gefährlich ist das rückwärts Manövrieren mit dem Ladewagen. Besonders gefährdet sind Kinder.
Für Hanglagen können auch Ladewagen mit Doppelrädern bis zu einer Breite von 3 m ausgerüstet werden.
Manöver in Hanglagen sind geübten Fahrer zu überlassen. Ist ein Fahrer nicht mit den Gegebenheiten vertraut, ist eine entsprechende Orientierung über Besonderheiten, wie nasse Stellen, geeignete Wendeplätze erforderlich.

Pressen und Wickeln
Alle paar Jahre ist ein schwerer Unfall zu verzeichnen, wenn bei Störungen in laufende Maschinen eingegriffen wird.
In Hanglage sind wegrollende Rundballen ein Problem, ihr Zerstörungspotential ist gross. Die Rundballen sind so zu abzulegen, dass sie nicht wegrollen können.

Handling und Transport von Grossballen
Besonders das Gewicht von Siloballen wird unterschätzt. Das Gesamtgewicht der Anhänger darf nicht überschritten werden. Wenn Siloballen in zwei Lagen auf Anhänger gestapelt werden, besteht Absturzgefahr. Die Ladung muss besonders gut gesichert werden.
Mit dem Frontlader ist der Transport von Grossballen auf der Strasse nicht gestattet.

Organisation
Eine gute Planung für die Futterernte macht Sinn, damit für jede Arbeit die geeignete Maschine, der geeignete Traktor und ein geeigneter Fahrer zur Verfügung stehen.
Instruktion: Wer einen Auftrag auszuführen hat, muss mit den Maschinen und Gegebenheiten vertraut sein, bzw. gemacht werden.
Sicherheitsstopp: Viele Unfälle werden verursacht, nachdem ein Zwischenfall eine Person aus der Routine gebracht hat. Darum gilt generell: wenn etwas schief gelaufen ist, immer zuerst denken, dann handeln.
Bei der Futterernte ist besonders wichtig, dass Kinder nur gesichert auf einem Kindersitz mitfahren, und grundsätzlich so wenig wie möglich.
Notfallplan: Jeder Beschäftigte muss wissen, was im Notfall zu tun ist.