Die landwirtschaftlichen Fahrzeuge haben bei den anderen Verkehrsteilnehmern nicht den besten Ruf, besonders was die Sicherheitsausrüstung und das Einhalten der Vorschriften anbelangt. Das hat bis zu einem gewissen Grad auch damit zu tun, dass die Polizei die landwirtschaftlichen Fahrzeuge eher selten kontrolliert. Um solche Kontrollen korrekt abwickeln zu können, ist ein vertieftes Fachwissen erforderlich. Nur wenige Kantone verfügen über solche Leute.

 

Hans Stadelmann, BUL

 

Dass landwirtschaftliche Fahrzeuge ohne vorgeschriebene Beleuchtung und Markierung unterwegs sind, kommt eher selten vor. Die Verstösse sind heute vermehrt im Bereich Überlast, mangelnde Ladungssicherung, sowie ungenügende Bremsen und Betriebssicherheit angesiedelt.

Bei einer Verkehrskontrolle wird nebst dem Führerausweis auch der Fahrzeugausweis verlangt. Ausser auf Fahrten zwischen Hof und Feld muss dieser grundsätzlich immer mitgeführt werden. Wird man kontrolliert, ist es gut zu wissen, welche Gewichte man mitführen darf und welche man tatsächlich mitführt. Dazu reicht ein Blick in den Fahrzeugausweis – so sollte man meinen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die im Ausweis aufgeführten, oder fehlenden Zahlen immer wieder zu hitzigen Diskussionen Anlass geben. Hilfreich ist es deshalb, wenn man sich einmal mit dem Inhalt des Ausweises im Detail vertraut macht.

 

Massgebend sind die Angaben im Typenschein

Grundsätzlich darf man keine der im Fahrzeugausweis aufgeführten Angaben überschreiten. Wenn eine aufgeführte Angabe nicht genügt, beispielsweise die Nutzlast, sollte man abklären, ob die Angabe überhaupt stimmt. Bei der Festlegung der Angaben im Fahrzeugausweis wurden zeitweise auch steuertechnische Überlegungen berücksichtigt, was von Kanton zu Kanton unterschiedlich gehandhabt wird. Bei einer Verkehrskontrolle sind primär die Angaben im Fahrzeugausweis massgebend. Erst nach einem Unfall sind die Garantien gefragt, die der Hersteller des Fahrzeugs ausgestellt hat. Diese Angaben sind im Typenschein zu finden und diesen besitzt der Importeur. Dem Typenschein kann man beispielsweise das Garantiegewicht, die Achsgarantien, sowie die gebremste, die auflaufgebremste und die ungebremste Anhängelast entnehmen. Das Garantiegewicht ist die entscheidende Grösse, wenn Anhänger oder Anbaugeräte mitgeführt werden.

Auch Herstellerschilder an der Zugvorrichtung oder an der Deichsel sind zu beachten.

 

Das Garantiegewicht wird oft nicht angegeben

Häufig trifft man einen der folgenden drei Fälle an:

Wenn im Feld Gesamtgewicht «Sterne» prangen, bedeutet das «keine Angabe» und heisst für Fahrzeughalter und Fahrer «volle Eigenverantwortung». Verkehrs­- und Betriebssicherheit müssen gewährleistet sein. In diesem Fall sollte man sich unbedingt beim Importeur erkundigen, ob nicht doch eine Herstellerangabe existiert, einfach um auf sicher gehen zu können. Der Begriff «volle Eigenverantwortung» bedeutet: Der Fahrzeughalter muss, beispielsweise nach einem Unfall, nachweisen können, dass keiner der oben beschriebenen relevanten Werte überschritten wurden. Wenn im Feld «Gesamtgewicht» die gleiche Zahl steht, wie im Feld «Leergewicht», hat das mit der Verkehrssteuer zu tun. Für die Polizei ist diese Zahl dann ohne Bedeutung. Für Fahrzeughalter und Fahrer gelten die gleichen Empfehlungen, wie beim Eintrag «Sterne». Wenn im Feld «Gesamtgewicht» eine Zahl steht, die dem 1,5-fachen Leergewicht entspricht, kann man davon ausgehen, dass das Garantiegewicht noch etwas höher ist. Auch in diesem Fall ist Abklärung angesagt. Wer das Garantiegewicht beanspruchen will, muss es im Fahrzeugausweis eintragen lassen. In allen drei genannten Fällen empfiehlt es sich eine Kopie des Typenscheins zu besitzen. Einen Traktorkauf, ohne vorher den Typenschein studiert zu haben, sollte es heute nicht mehr geben.

 

Anhängelast ist oft ein irrelevanter Wert

Egal, ob im Feld Anhängelast «Sterne» oder eine Zahl steht, von Bedeutung ist das nicht wirklich. Es handelt sich übrigens immer um die gebremste Anhängelast. Meist findet man folgenden Zusatzeintrag 202: «Die Anhängelast darf nur soweit ausgenützt werden, als die Verkehrs- und Betriebssicherheit gewährleistet ist». Eine eingetragene Zahl darf natürlich nicht überschritten werden. Viel wichtiger ist zu wissen, wie viel die traktorbezogene Anhängelast beträgt. Es sei daran erinnert, dass ein Anhängerzug bei 15% Steigung anfahren können muss. Dazu muss bei guten Strassenbedingungen etwa 25% des gesamten Zuggewichtes auf den angetriebenen Achsen lasten. Ein Allradtraktor kann also höchstens gut das Dreifache seines Betriebsgewichtes ziehen, bei schlechten Verhältnissen entsprechend weniger.