Hatten Sie auch schon Rückenschmerzen? Sie sind nicht allein. Über 30% der Bäuerinnen und Bauern leiden unter Rückenproblemen. Die Ursachen sind vielseitig und vernetzt. Psychische Spannungen und Probleme verstärken und fördern eine falsche Haltung und damit Fehlbelastungen des Körpers. Abrupte oder drehende Bewegungen führen oft zu Rückenleiden.

2 4 Hexenschuss klKöperhaltung und Lasten
Die Wirbelsäule ist so konstruiert, dass sie wie eine Feder wirkt. Sie kann ihren Dienst am besten erfüllen, wenn sie gleichmässig belastet wird. Ein krummer Rücken wirkt einseitig auf die Wirbelsäule und sollte möglichst vermieden werden. Am wenigsten wird die Wirbelsäule beansprucht, wenn man auf dem Rücken liegt. Auch die sitzende Haltung ist schlecht für die Wirbelsäule. Es muss angestrebt werden, mit möglichst geradem Rücken zu sitzen, zu stehen oder zu heben, damit die Wirbel gleichmässig belastet werden. Die Belastung der Wirbelsäule wird umso grösser, je weiter die Last vom Körper weg ist und je mehr die Wirbelsäule gebogen ist. Beim Heben einer Last von 20 kg mit ausgestreckten Armen entstehen auf der untersten Bandscheibe Druckkräfte von mehr als 700 kg. Wird diese Last ruckartig gehoben, entstehen Kräfte, welche bis zu 30% höher sind. Besonders stark werden die Bandscheiben belastet, wenn Lasten in verdrehter Haltung gehoben und weitergereicht werden. Um die Wirbelsäule zu schonen, müssen Lasten möglichst nahe am Körper getragen werden. Werden Lasten seitlich abgelegt, muss der Körper mitdrehen. Eng mit Rückenleiden verbunden sind Gelenkprobleme. Wenn die Gelenke schmerzen, resultiert oft eine ungünstige Körperhaltung, welche zu Rückenschmerzen führen kann.

Über Bandscheiben und Muskeln
Rückenschmerzen sind in der Regel nicht medizinischen, sondern physiologischen oder psychischen Ursprungs. Immer mehr Menschen leiden an Verspannungen, weil sie seelische Nöte haben. Selbstverständlich gibt es Menschen mit angeborenen Rückenproblemen. Solche Menschen haben gelernt mit diesem Problem zu leben und man kann von ihnen sehr viel lernen über den richtigen Umgang mit dem Rücken.
Rückenprobleme als technisches Problem zu definieren bedeutet, dass Rückenleiden mit der Lebensweise und der Arbeit sehr viel zu tun haben. Das Bewegen des Körpers ist ein Zusammenspiel von Wirbelsäule und Muskeln. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Bäuerinnen und Bauern starke Rücken- und Bauchmuskeln haben. Starke Muskeln schonen die Wirbelsäule und sind belastbarer. Durch richtiges Training können deshalb Rückenleiden reduziert werden. So sind Angaben über Maximalgewichte, welche gehoben werden dürfen sehr schwierig, denn diese Grössen sind stark abhängig von der Konstitution. Das beste Beispiel sind Gewichtheber, welche es fertig bringen, weit höhere Lasten ohne Schaden zu heben.
Eine Hilfe können Rückenstützgurte sein, welche bewirken, dass der Körper eine bessere Haltung hat und dass der Druck auf Bauch- und Rückenmuskulatur zum Teil aufgefangen wird.

Fahrersitze müssen passen
Noch immer sind viele Traktoren mit schlechten Sitzen ausgerüstet. Eigentlich sind nur die besten Sitze gut genug. Leider sind gerade kleine Traktoren oft mit unzulässigen Sitzen ausgerüstet, weil die Platzverhältnisse knapp sind. Je kleiner aber die Räder und je kürzer der Radstand, desto stärker die Schläge auf den Rücken. Mit zunehmender Geschwindigkeit wird dieser Effekt noch stärker. Ein guter Fahrersitz ist nicht verlottert, seine Lager sind nicht ausgeschlagen, er hat eine ergonomische Sitzform, Armlehnen, verstellbaren Rückenteil und eine gute Federung. Armlehnen und dem Körper angepasste Rückenlehnen helfen, die Wirbelsäule zu entlasten, weil sich der Körper abstützen kann. Luftgefederte Sitze haben eine progressive Federung und schlagen deshalb nicht durch. Zudem lassen sie sich leichter auf das Gewicht verschiedener Fahrer einstellen.
Die Lager von Sitzen müssen regelmässig überprüft und gewartet werden. Meistens müssen Fahrersitze nach drei bis fünf Jahren ersetzt werden. Warten Sie nicht, bis die IV den Sitz bezahlt, denn dann haben Sie schon schwere Rückenprobleme.

Technische Hilfsmittel erleichtern die Arbeit
"Trage nichts, was rollen kann", gilt seit eh und je. Die Grösse der technischen Hilfsmittel ist abhängig von den Lasten, die bewegt werden müssen oder von der zu überwindenden Höhendifferenz. Grosse Maschinen wie Frontlader, Kompaktlader oder Teleskoplader sollten auf jedem Betrieb verfügbar sein. Selbstverständlich kann und soll dies überbetrieblich geschehen. Es gibt bereits Landwirte, welche mit dem Teleskoplader mehr Betriebsstunden machen als mit dem Traktor.
Doch auch kleine Hilfsmittel sind unerlässlich. Ein Sackkarren leistet unzählige Dienste. Er soll möglichst grosse Lufträder haben, damit er leicht geschoben werden kann. Lufträder sind von Vorteil. Immer wieder trifft man auf Sack- und Schubkarren, welche einen zu geringen Luftdruck aufweisen oder schlecht geschmiert sind. Mit wenig Aufwand lassen sich diese Geräte in Schwung halten. Nur in einwandfreiem Zustand erleichtern sie die Arbeit.

Ausreichende Bewegung ist unerlässlich
Selbst für Bäuerinnen und Bauern ist heute ausreichende Bewegung keine Selbstverständlichkeit. Aber eintönige Bewegungen helfen wenig, im Gegenteil, sie fördern eine einseitige Belastung der Wirbelsäule und der Gelenke. Sportliche Aktivitäten sind Ausgleich für einseitige Belastungen. Deshalb sollten selbst Bauersleute zusätzliche Aktivitäten entwickeln. Gute Möglichkeiten sind u.a. Radfahren, Schwimmen, Skilanglauf oder spezifische Gymnastik.